Isabel Bogdan / Der Pfau

by Manuela Hofstätter on 2. April 2016

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Lord und Lady McIntosh lieben ihre Tiere und das Leben in der abgelegenen Natur Schottlands. Ihr Landsitz allerdings bereitet ihnen doch vom finanziellen Standpunkt her gesehen ein wenig Kummer. Es herrscht noch Winter und die Kälte kriecht in die alten Gemäuer, die meisten Cottages sind beheizbar, aber im Haupthaus sind sie sich gewohnt, mit der Kälte und Mützen im Bett zu leben, denn nie wird es genügend warm. Nun aber kehrt für ein Wochenende Leben ein im Westflügel ihres Anwesens. Banker aus London reisen an, mit ihrer Chefin, einer Teamcoacherin und sogar eine eigene Köchin haben sie dabei. Die McIntoshs möchten alles daran setzen, dass sich diese Gäste wohlfühlen, es wäre natürlich sehr wünschenswert, wenn weitere solch zahlkräftige Gästeschaft nachziehen würde. Einzig einer der Pfaue bereitet dem Besitzerpaar Kummer, dieses Jungtier ist in seinem Verhalten gestört, es stürzt sich auf alle blauen Dinge und hackt auf diese ohne Unterlass ein. Die Pfaue werden mit Futter jeweils möglichst vom Anwesen weggelockt und daran tut man auch gut, denn der Wagen der Bankerchefin rollt heran und er ist blau! Die elegante Chefin steigt aus und tritt sogleich in Tierkot, die Verursacherin dessen, die alte Gans, macht dann sogleich mit der Frau Bekanntschaft, was nicht beide gleichermassen zu schätzen wissen. Die Chefin ist Hobbyjägerin, sie liebt ihren Terrier, hat aber eine Abneigung gegen Federvieh. Die Stimmung der Gästegruppe ist kühl, und genau wegen ebendieser sind sie nun hier, um eine Teambildungszeit zu absolvieren, um somit dann ihr Arbeitsklima und ihr Schaffen zu verbessern. Der Pfau, der schreitet sogleich zur Tat, in einem unbeobachteten Moment fügt er der Lackierung des blauen Wagens einen nennenswerten Schaden zu. Der Lord weiss nun, auch er muss handeln und eingreifen, nicht auszudenken, wenn jemand der Gäste in blauer Kleidung auf den gestörten Pfau treffen würde. Schweren Herzens und in aller Heimlichkeit beseitigt er das Tier. Die Chefin ist gestresst, die Idee für dieses Wochenende ist ja nicht auf ihrem Mist gewachsen und nun muss sie sich eingestehen, mit der doch allzu bescheidenen Unterkunft etwas Mühe zu haben. Aber ihre Gastgeber sind so reizend und besorgt, man wird das Beste aus der Situation machen und immerhin, die Köchin ist eine wahre Meisterin ihres Faches, da werden sie verwöhnt und kommen voll auf ihre Kosten. Die Kopfschmerzen der Chefin steigen aber rasant an, als ihr Terrier ihr einen toten Pfau apportiert, das darf nicht geschehen sein, er ist so ein braver Hund. Eines ist klar, die Chefin kann unmöglich mit dieser Nachricht und dem toten Vogel dastehen, sie weist ihr Team an, dass der Vogel verschwinden muss. Die Aufgabe fällt auf den jungen, stillen Banker David. David trinkt bei der Köchin am Vormittag Whisky, es graust ihm vor seiner Aufgabe, diesen Pfau verschwinden zu lassen. Die Köchin ist eine patente Frau, sie hilft dem armen Kerl und freut sich über ein unverhofftes Geschenk. Die Coacherin beginnt mit ihrer Arbeit und bangt ein wenig, ob sie diese reservierte Herrenrunde mitsamt Chefin zum Erfolg wird führen können. Aber dann gibt es Schnee, die Gäste müssen einen Tag länger bleiben, die Chefin liegt mit einer veritablen Grippe im Bett und die Dinge geraten ins Rollen.

Isabel Bogdan / Der Pfau

Fazit: Teambildung auf schottisch!
Schottland, ein verlassenes Anwesen, das Teambuilding Weekend von Londoner Bankern wird zum Höhepunkt für alle! Dieser Roman ist einfach eine köstliche Lektüre im wahrsten Sinne des Wortes. Eine Köchin, die ihr Handwerk versteht, die Wildnis Schottlands, die das Beste aus den Menschen herauslockt und die liebenswerte Höflichkeit der Briten ergeben eine Komödie, wie man die sich nur wünschen kann. Ein herrliches Buch, was habe ich geschmunzelt, wie konnte ich lachen! Mehr solche Bücher, bitte!

Meine Wertung: 9/10

Isabel Bogdan / Der Pfau
Verlag: Kiepenheuer & Witsch, Seiten: 256

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
Manuela Hofstätter

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