J. Paul Henderson / Der Vater, der vom Himmel fiel

by Manuela Hofstätter on 22. August 2017

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Die Familie Bowman ist schon ziemlich geschrumpft und die beiden Brüder Billy und Greg haben wegen eines dummen Streits sieben Jahre nicht mehr miteinander gesprochen. Greg ist nach Amerika ausgewandert und Billy lebt mit seiner Frau und seiner Tochter zusammen und seinen grossen Ängsten, die ihn schon plagen, seit er denken kann. Vater Lyle Bowman hat seine Frau viel zu früh verloren und musste die Jungs alleine gross ziehen, gerade Greg bereitete ihm immer viele Sorgen. Drogen, Alkohol und Mädchen, Greg lebte immer schon voll und ganz, aber der Vater liebt seine beiden Söhne beide aufrichtig und gleichermassen. Dann gibt es noch Lyles Bruder, Onkel Frank, ein kauziger alter Typ, der sich ständig mit allen anlegt und in seinem ganzen Leben noch keinen Sex hatte, wahrlich ein schräger, wie aber auch ein herrlich ehrlicher Mensch noch dazu. Alles gerät ins Wanken, als Lyle Bowman stirbt, ein tragischer Tod, er hat auch gar keine Lust zum Sterben gehabt, sondern im Gegenteil noch eine ganze Menge wichtige Sachen für seine Söhne und seinen Bruder regeln wollen. In Flip-Flops und Shorts erscheint Greg gerade eben noch auch auf der Beerdigung, für die Nachbarin ist klar, der ist immer noch voll auf Drogen, die Frau seines Bruders hasst ihn ohnehin auch und auch mit Billy selber muss er endlich klar Schiff machen. So sind es denn nur ganz wenige Stunden, die Greg im Haus seines Bruders und dessen Familie verbringt, dann zieht er ins alte Elternhaus, welches er zugleich entrümpeln und renovieren will, um das Haus dann verkaufen zu können. Ja, Greg hat getrunken, aber nicht so viel, dass er nicht mehr zurechnungsfähig wäre, klar sichtbar und zudem noch im Adamskostüm steht da abends sein Vater vor ihm, es sollen weitere Abende folgen, denn Vater und Sohn müssen noch über etliches reden. Immerhin zieht sich Lyle an den folgenden Treffen ein Kleid über, eines seiner Frau, das er immer noch im Schrank behalten hat. Greg, der immer als Sorgenkind galt, muss nun vernehmen, dass Onkel Frank offenbar einen Banküberfall plant und dies mit seinen achtzig Jahren auf dem Buckel und sein Bruder, der hat noch ein paar Geheimnisse mehr, es gibt viel zu tun für Greg. Doch auch der besonnene Vater scheint nicht ganz alles aus seinem Leben offengelegt zu haben, wer war die junge Frau, die kurz auf der Beerdigung war und sofort verschwand dann? Könnte da ein Zusammenhang bestehen zum unerklärlichen Dauerauftrag der Bank, wem bezahlte Lyle jeden Monat eine stattliche Summe und warum? Wahrlich die Familie Bowman, die ist echt unglaublich, wer soll nun das schwarze Schaf sein?

Fazit: Familie Bowman, zutiefst menschlich und zum Schreien schräg!
Diesen Roman muss man erleben, welch schicksalshafte Zufälle da zuschlagen, welchen Sinn für das Komische der Autor hat, das ist wirklich unbeschreiblich gut. Zwei Brüder, die so unterschiedlich sind und mit klar verteilten Rollen, doch dann gerät alles ins Wanken, nichts ist mehr, wie es war oder wie man denken möchte und für die zusätzliche völlig quere Note sorgt noch der verrückte Onkel Frank. Ein herrliches, schräges, himmlisches und höchst erquickliches Lesevergnügen!

Meine Wertung: 9/10

J. Paul Henderson / Der Vater, der vom Himmel fiel
Aus dem Englischen von Jenny Merling
Verlag: Diogenes, Seiten: 341

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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1 Angela Busch August 24, 2017 um 17:38

Hallo Manu, dieser schräge, komische Humor von J.Paul Henderson hat mich auch bei seinem ersten Buch * Letzter Bus nach Coffeeville* sehr gefallen und beeindruckt. Schön und ansprechend wie er sich mit dem Jenseits beschäftigt….die Traurigkeit wird einfach weggeschmunzelt….Deine Rezi fordert direkt zum Lesen auf!
LG Angela vom >Literaturgarten

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