Jean-Philippe Blondel / 6 Uhr 41

by Manuela Hofstätter on 24. November 2014

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Das Wochenende bei den Eltern hat ihr doch recht zugesetzt, in Gedanken versunken steigt sie in den Zug um 6 Uhr 41, plötzlich setzt sich ein Mann zu ihr. Er ist eben nicht irgendein Reisender, nein, sie kennt ihn. Ja, Cécile erkennt Philippe Leduc sofort, auch wenn die Erinnerungen an ihn fast an die dreissig Jahre zurückliegen. Dieser Mann war schliesslich der Grund, warum Cécile die Stadt London nie wieder besucht hat. Damals war sie das Mauerblümchen und er der Mädchenschwarm, aber eitel und ohne jeglichen Anstand, so war er damals. Und schön war er, ja richtig attraktiv. Heute ist aus Leduc, unvorteilhaft gealtert, ein Mann geworden, welcher sich bewundernd zu ihr umdrehen müsste. Alleine dieser Bauch, niemals hätte sie gedacht, dass er sich dermassen gehen lassen könnte, sie fühlt Stolz und sie weiss, sie hat sich gut gehalten, nein, sie ist eine elegante Schönheit geworden. Wo mag er wohl stehen in seinem Leben? Er hat sie auch erkannt, keine Frage, er denkt an seine Kinder, seine Frau, ist sich so sehr bewusst, er hat sich den Jahren ergeben. Aber immerhin ist er sich sicher, er ist ein besserer Mensch geworden. So wie er damals war, er kann nur hoffen, dass sie ihn nicht wiedererkannt hat, doch eigentlich ist er sich sicher, dass sie ihn sehr wohl weiss, wer er ist. Er möchte am liebsten sofort mit ihr nach London reisen, die Jahre zurückdrehen, nein, einfach London in eine andere Erinnerung verwandeln, vielleicht hat er ihr die Stadt gar verleidet?

Jean-Philippe Blondel / 6 Uhr 41

Fazit: Eine Begegnung im Zug nach Jahrzehnten!
Ein feiner Roman über die Frage nach dem, was wäre, wenn. Gut nimmt ein Menschenleben seinen Lauf, faszinierend aber, wenn man plötzlich frühmorgens im Zug einer Jugendliebe begegnet. Erkennt man sich, was für ein Leben hat man geführt, wo steht man, erzählt man sich vieles, hat man einen Draht zueinander, oder wiegt die Vergangenheit zu schwer, wählt man das Schweigen, hofft gar darauf, das Gegenüber möge einem nicht erkennen? Auf jeden Fall sind die Gedanken frei und diese schlagen herrliche Purzelbäume bei Jean-Philippe Blondels Roman “6 Uhr 41”.

Meine Wertung: 7/10

Jean-Philippe Blondel / 6 Uhr 41
Verlag: Deuticke, Seiten: 189

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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