Jean-Philippe Blondel / Die Liebeserklärung

by Manuela Hofstätter on 3. April 2017

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Corentin ist noch jung mit seinen 27 Jahren Lebenserfahrung, er arbeitet bei seinem Patenonkel als Hochzeitsfilmer, beide Männer lieben ihren Job, darum können sie wohl bestehen, die Konkurrenz ist aber gross. Corentin hat bei einer Hochzeit einen ganz intimen Moment mit der Braut, sie bittet ihn, ihre Liebeserklärung an ihren Ehemann zu filmen, sie möchte ihn damit überraschen. Ansonsten ist diese Braut mit der nüchternen Bemerkung, eine Hochzeit sei der Jahrmarkt der Scheinheiligkeiten, Corentin nur wenig aufgefallen, doch als er ihre Liebeserklärung filmt, reisst ihm dies förmlich den Boden unter den Füssen weg. Eine solche Wucht also hat ehrliche Liebe, das echte Glück. Corentin lebt weiter wie bisher, aber niemand ahnt, was in ihm tobt, einzig ein neues Projekt hat Gestalt angenommen, er bittet Menschen, welche ihm nahe stehen, vor seiner Kamera zu sprechen. Was Corentin seine Eltern, sein Patenonkel, eine flüchtige Geliebte, andere und sein bester Freund, welchen er einfach nie als solchen erkannt hat, ihm vor der Kamera offenbaren, das ist schlicht unbeschreiblich, es knüpft an das Geständnis der Braut an. Es sind echte Gefühle, Verborgenes, Wahres, das da gestanden wird, es eröffnet Corentin ein neues Bild seiner Familie, der Menschen im Allgemeinen und es lässt ihn seine Not immer eindringlicher fühlen. Corentins Leben muss eine Wendung erfahren, er hat so vieles erkannt, dank dieser privaten Filmporträts und er fasst einen mutigen Entschluss, er wird ihnen allen antworten, auf dieselbe Weise, er wird die Kamera aus den Händen geben und die Seite wechseln, er wird sich ausdrücken, sich mitteilen, er wird offenbaren, wer er ist und was er sich wünscht. Kann das gelingen? Corentin springt aus der beobachtenden Pose mitten ins volle Leben hinein.

Fazit: Hochzeiten, oder die Suche nach dem echten Glück.
Unsere Vorstellungen und Kenntnisse von den Menschen, die uns umgeben, sogar unserer eigenen Familie, die reichen nicht annähernd an deren innerstes Ich heran, dies wird in Blondels neuem Roman so innig erzählt, das hat mich noch mehr berührt, als die Liebesgeschichte, welche natürlich auch im Roman steckt und welche absolut schön ist. Die echten Worte und Gefühle behalten wir so oft zurück in unseren Köpfen und Herzen, warum nur? Es ist ein Wagnis, echt zu sein, ganz und gar, denn das heisst absolut verletzlich zu sein, aber es ist unsere einzige Chance, dem Leben seinen Sinn zu geben. Dieser herrliche Roman erinnert daran, ein wunderschönes Buch! Eines wie Frühlingserwachen!

Meine Wertung: 8/10

Jean-Philippe Blondel / Die Liebeserklärung
Verlag: Deuticke, Seiten: 160

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