Jens Steiner / Mein Leben als Hoffnungsträger

by Manuela Hofstätter on 15. März 2018

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Philipp sammelte schon als Kind Glitzerpapierchen vom Boden auf, man hatte ihm gesagt, welchen Schaden sie in der Natur anrichten und wie lange sie brauchen, bis sie nicht mehr sind. Seine Lehre als Mechatroniker hat der junge Mann nun abgebrochen, es sollte nicht sein, dabei waren die Eltern so froh, dass doch noch was werden würde aus ihrem Sohn. Nun hat Philipp Zeit, er denkt nach und verweilt oft auf der Bank vor dem Recyclinghof und dort ist er dem Leiter Uwe sofort aufgefallen, so einer der den Abfall sorgfältig vom Boden aufhebt, einer der aber zu viel Zeit hat. Uwe beginnt mit Philipp zu reden, zeigt ihm seine Arbeit und bietet ihm schliesslich einen Job an. Uwe sieht in Philipp seinen Hoffnungsträger, denn seine zwei anderen Mitarbeiter, zwei Portugiesen, Arturo, der Mann mit dem Besen und João, der Mann mit vielen Nebengeschäften, sind nicht wirklich zu gebrauchen. Doch Uwe ist eben noch ein wahrer Menschenfreund und nun sind sie tatsächlich das perfekte Team. In Philipps Privatleben gibt es einen netten Nachbarn, welcher ihn immer mit Zeitungsausschnitten versorgt, eine Liebe namens Mila und auch einen guten Freund, der viel von Bäumen versteht sowie die Eltern, die sich sorgen, wie dies Eltern eben zu tun pflegen. Bald schon versuchen Arturo und João Philipp in ihre Geschäfte mit hineinzuziehen, die geheime Hühnerfarm, die zugleich Warenlager der beiden ist, zeugt von guten Geschäftstätigkeiten und davon, wie viele sogar auch neue Sachen die Menschen einfach entsorgen. Ja, Philipp kann viel lernen auf dem Recyclinghof, über das Leben und die Menschheit, es ist der pure Wahnsinn zuzuschauen, wenn etwa Familien ihre geschätzte halbe Einrichtung bringen, zack, ordnungsgemäss entsorgt und sofort wird neu eingekauft und eingerichtet. Als aber “Schau”, wie Uwe João nennt, weil er seinen Namen nicht richtig aussprechen kann, in richtige Schwierigkeiten gerät, weil er eine Grosslieferung nicht einhalten kann, da kommt Bewegung in Uwes Team. Sie bewahren João beherzt vor einer grossen Dummheit und lassen sich alle etwas einfallen, wie die Lieferung doch noch bereit gemacht werden kann. Uwe will danach ein ernstes Wort mit seinen beiden Portugiesen sprechen, aber auch Philipp wird mit Uwe etwas zu besprechen haben.

Fazit: Schräg wie das Leben und dazu unvergänglich, unbeschreiblich gut ist dieser Roman!
Jens Steiner hat mich völlig umgehauen mit diesem Roman, so viel Sinn und Unsinn in einer so kurzweiligen Geschichte, was habe ich gelacht, was habe ich mir Gedanken gemacht über so viele kluge Betrachtungen. Dieser Roman sticht aus der Bücherflut heraus, zweifellos, garantiert wird man ihn nicht recyceln, oder doch, im besten Sinne, man wird ihn behalten, immer wieder verschenken, weiterempfehlen und weiterreichen. Übrigens ist dieser Roman ein echter Geheimtipp für ein Geschenk zu Ostern, ich erinnere an die Hühner, wer ihn gelesen hat, weiss wieso. Ein Lieblingsbuch, ein richtiger Volltreffer!

Meine Wertung: 9/10

Jens Steiner / Mein Leben als Hoffnungsträger
Verlag: Arche, Seiten: 192

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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1 Margrit Hegglin März 17, 2018 um 09:02 Uhr

Ein absolut grossartiges Buch!! Diese Phantasie! Wie kann ein Oekihof zu einer herrlichen Geschichte gemacht werden. Einfach super!!!!

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