Joachim Meyerhoff / Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war

by Manuela Hofstätter on 26. März 2013

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Als Junge ist es für ihn nicht wirklich schlimm als Jüngster von drei Brüdern durchzukommen, auch die Tatsache, dass sein zu Hause mitten in einer grossen psychiatrischen Anstalt ist, bedeutet für ihn eben die Normalität. Der Vater, stolzer Klinikdirektor ist ein wahrlich stattlicher Mann und so parkiert er seine Masse nach getaner Arbeit auch gerne im Sessel, fürs Vatersein bleibt da eigentlich keine Zeit. Fast geborgen fühlt sich also der Junge eigentlich mit den vielen Hirnis, Idioten, oder wie man manche Bewohner sonst noch früher so nannte. Wunderbare Freundschaften ergaben sich gar auch mit Patienten, so wie etwa mit dem Glöckner, so nannte man ihn, einen bärtigen Riesen, unnahbar und dubios, immer von Weitem zu erkennen an eben jenem Namen spendenden Tick mit ein paar Glocken zu schellen. Er durfte immer auf des Glöckners Schultern reiten, das war eine fröhliche, wilde und wunderbare Sache. Besonders erlebt der jüngste Spross auch alle Weihnachtsfeiern, an der Hand des Vaters werden alle Abteilungen besucht, überall muss er eine Cola und ein Stück Torte essen, es sind leider mehr Abteilungen als Finger an einer Hand und das spätere Kotzen und die Hyperaktivität ist bereits ebenso zum Ritual geworden. Was ein Umbau für hochkarätige Gäste mit sich bringt und was man sonst noch alles erlebt in einer solchen Umgebung, das ist schier grenzenlos spannend. Aber irgendwann einmal ist auch der Jüngste erwachsen geworden und muss seine Eltern im kalten Licht der Realität sehen, einen Vater mit Ecken und Kanten und einer jungen zweiten Frau, dann aber die zerstörerische Kraft von Krankheit und schliesslich die unglaubliche Gabe und Liebe seiner Mutter.

Fazit: Eine Kindheit inmitten der Irrenanstalt.
Ein wirklich schräger Ort, um aufzuwachsen, in welchem der Protagonist dieser Geschichte gedeiht. Aber dieses Umfeld und was der Autor daraus entstehen lässt, das ist so gekonnt geschrieben, so brutal wahr und dadurch so abstrakt komisch, ich habe selten so lachen müssen beim Lesen eines Buches. Der Spagat zwischen Ironie und einer eigentlich tragischen Geschichte, der ist richtig gekonnt und darum ist dies ein äusserst erfreuliches Buch!

Meine Wertung: 8/10

Joachim Meyerhoff / Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war
Verlag: Kiepenheuer & Witsch, Seiten: 352

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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1 Steffi April 12, 2013 um 13:28 Uhr

Oh je, ich fürchte, das ist mir momentan zu strange zum Lesen. Aber die Story klingt trotz alledem interessant.

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