Jodi Picoult / Kleine grosse Schritte

by Manuela Hofstätter on 5. Januar 2018

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Keine andere Krankenschwester und Hebamme arbeitet so lange auf der Säuglingsstation am Mercy-West Haven Hospital in Connecticut, zwanzig Jahre lang schon arbeitet Ruth Jefferson dort und verfügt über eine immense Erfahrung und Liebe für ihren Beruf. Natürlich kann sie mit allen Arten von Menschen umgehen, aber als sie das Zimmer betritt und auf die Familie Bauer trifft, bemerkt sie sofort eine ganz komische Stimmung. Turk und Brittany Bauer scheinen ihren Sohn Davis nicht einmal für die Routineuntersuchung loslassen zu wollen, schliesslich weist Turk Bauer Ruth aus dem Zimmer und verlangt ihre Vorgesetzte zu sprechen. In der Folge offenbart sich die ganze Tragweite der Situation, die Bauers sind krasse Rechtsextremisten und wollen nicht, dass ihr Sohn von einer Farbigen auch nur berührt wird. Ruth wird von der Klinikleitung nicht etwa unterstützt, sie erhält ein offizielles Verbot, sich um Davis zu kümmern. Bald darauf muss Davis sterben, durch eine personelle Notsituation ist Ruth mit dem Säugling kurz alleine, als er aufhört zu atmen. Ruth Jeffersons Leben steht nun Kopf, die Klinikleitung hat sie freigestellt, die Bauers zerren sie voller Hass vor Gericht und es folgt ein zermürbender Prozess. Des Mordes angeklagt steht Ruth fassungslos da und muss feststellen, was sie ihr ganzes Leben lang schon gewusst hat: Sie hat die falsche Hautfarbe, ihr fehlt der Bonus, den die Weissen haben. Im Prozess geht es bei Weitem um mehr als um die Schuldfrage zum Tod von Davis Bauer, es geht um die Frage nach immer noch unerreichter Gleichberechtigung aller Menschen und diese will kein Gerichtssaal hören. Die Pflichtverteidigerin Kennedy McQuarrie kämpft mir ihrer ganzen Kraft und Überzeugung für Ruth Jeffersons Freispruch im Prozess, wie Ruth ist auch Kennedy Mutter, die beiden Frauen kommen sich näher, doch Kennedys Hautfarbe ist ebenfalls weiss, kann sie Ruth wirklich ganz verstehen? Ruth Jefferson ist Mutter eines Sohnes, sie hat alles erreicht, damit ihr Sohn in ein gutes Leben gehen kann und nun ist alles bedroht. Ihr Sohn Edison ist ein hochbegabter Schüler, doch nun nehmen der Prozess und sein Leben ebenfalls einen unsinnigen Lauf. Ruths Freundschaften geraten ins Wanken, immer grotesker wird ihre Situation, aber wird sie tatsächlich verurteilt und kommt gar ins Gefängnis?

Fazit: Vom Sieg der Liebe und der Vergebung!
Jodi Picoult ist ein wahrlich kostbarer Roman gelungen, die Geschichte, die wir hier lesen dürfen, geht unter die Haut und konfrontiert uns mit der ganz persönlichen Angst vor dem Fremden in uns und mit den eigenen Privilegien, die wir einfach so haben und für welche wir auch nichts können. Dies ist ein Roman über die ganze Tragweite von Rassismus, aber auch ein Lehrstück über die Kraft in jedem einzelnen Menschen, sich ändern zu können. Das Ehepaar Bauer, welches uns mit seinem totalen Hass schockiert, entwickelt sich im Roman dann sehr unterschiedlich, mehr sei hier nicht verraten. Dieser Roman ist bereits ein Bestseller und wird verfilmt, der Gerichtsprozess hat mich auch an Grishams “Die Jury” erinnert, aber dieser Roman ist noch wertvoller und so kostbar in unserer derzeitigen Welt! Lesen!

Meine Wertung: 9/10

Jodi Picoult / Kleine grosse Schritte
aus dem Englischen übersetzt von Elfriede Peschel
Verlag: C. Bertelsmann, Seiten: 592

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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