Joey Goebel / Irgendwann wird es gut

by Manuela Hofstätter on 13. Juni 2019

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Eine Stadt in Kentucky, ein paar Bewohner mitten in ihren Leben geben Einblicke in ihre Situation. Olivia Abbott ist die bildhübsche Nachrichtensprecherin, ganz Moberly liebt die Nachrichten nur ihretwegen und mancher fragt sich dabei, wie eine so hässliche Stadt eine so hübsche Nachrichtensprecherin haben kann. Auch Anthony fragt sich dies täglich, schenkt sich einen Whisky ein und erzählt dem TV-Bildschirm seinen Tag. Die Familie Bockelman besteht nur noch aus der Mutter und dem Sohn, den Verlust des Ehemannes und Vaters haben sie kaum verkraftet, sie leben zurückgezogen und einzig die Apotheke suchen sie häufig auf, um all ihre Medikamente zu holen. Als beide beschliessen, dass eine der Apothekerinnen absolut liebreizend ist und eine Frau für den Sohn sein könnte, beginnen sie Pläne zu schmieden. Doch wird sich diese Frau überhaupt mit einem treffen wollen, von dem sie weiss, wie viele Tabletten er braucht, um leben zu können? Luke, ein Jüngling an der Schwelle zum Erwachsenenleben, hat seinen Vater nicht mehr im Hause und darum hat die Mutter ihm die Band erlaubt, denn Luke hat den Punkrock zu seinem Lebensinhalt gemacht, seine beiden Bandkollegen haben eine Freundin und er träumt davon, über die Band an ein Mädchen gelangen zu können und sich nicht mehr so als Aussenseiter zu fühlen. Das erste Konzert ist tatsächlich ein Erfolg, auf der Bühne fühlt er sich stark, die Leute mögen die Musik, doch nach dem Konzert ist er wieder alleine und völlig ausgelaugt. Stephanie ist eine beleibte Dozentin an der Uni, sie versteht die Studierenden, ist selber noch recht jung und sieht noch jünger aus, dabei ist sie verheiratet, unglücklich verheiratet und ihr Mann war ein paar Tage im Knast, sein Alkoholproblem hätte ihn beinahe umgebracht, es sind die ersten Nächte, in welchen sie getrennt schlafen müssen, Stephanie weint am Boden liegend und krault den Hund, dann aber reisst sie sich zusammen und sagt sich, nein, so nicht, im Alltag sind sie eigentlich schon lange getrennte Leute. Stephanie hat ihrem Studierenden ein Angebot gemacht, ihnen in Notsituationen ihren Fahrdienst angeboten, damit niemand betrunken ein Auto steuert, ausgerechnet ihr Lieblingsstudent fordert einen solchen Fahrdienst dann ein. Stephanie holt den jungen Mann ab, aber warum hat sie sich zurechtgemacht für diese Fahrt? Carly ist wohl das, was man eine Aussenseiterin nennt, sie bemüht sich wirklich, einfach als normal angesehen zu werden und scheitert immer wieder. Als sie den edlen, älteren Herrn Mr. Baynham kennenlernt, geniesst sie die Gespräche mit diesem, vertraut ihm ihren Kummer an und gesteht ihm auch ihre Leidenschaft für James Dean. Als man über die beiden üble Gerüchte streut, zieht sich Carly zurück. Eine Enkelin bittet verzweifelt um die Hilfe der Sozialarbeiterin, was sie dieser erzählen muss, ist zu absurd, es geht um den Hund der alten Dame und was dieser mit ihr macht. Doch ein Test beweist, die Dame ist bei vollem Verstand und doch ist die Sache mit ihrem Hund völlig verrückt. Doch in dieser Stadt in Kentucky gibt es noch viele weitere Menschen, die in ihrer Einsamkeit versinken, manche von ihnen schreiben Briefe an verhasste Radiomoderatoren, manche verstecken sich in ihrem Messiehaus und leben in ihren melancholischen Erinnerungen und manchmal, manchmal verschiebt sich im Leben etwas. Die beschissenste Stadt der Welt mutiert zum zauberhaftesten Städtchen der Welt.

Fazit: Von der abstraktesten Einsamkeit und der zarten Hoffnung …
… darüber erzählt Joey Goebel in diesen seinen Kurzgeschichten aus der amerikanischen Stadt in Kentucky und da die Geschichten oft eine Verbindung zueinander haben, liest sich das Buch für mich doch eher wie ein Roman. Die Protagonisten haben mich in ihrem Dilemma, ihrer Einsamkeit oder in ihren Zuständen berührt, erschrocken und auch abgestossen, doch Joey Goebel vermag der absoluten Trostlosigkeit immer eine zarte und zugleich heftige Hoffnung zur Seite zu stellen und das ist wirklich eine grosse Kunst. Lieblingssätze wie etwa “Manche Leute sind nicht klug genug, um nervös zu sein”, nisten sich im Herzen ein und lassen gewisse Szenen dieses Buches unvergesslich bleiben. Eine wirklich nicht alltägliche Leseerfahrung beschert uns dieser Joey Goebel da.

Meine Wertung.: 7/10

Joey Goebel / Irgendwann wird es gut
Aus dem Amerikanischen übersetzt von Hans M. Herzog
Verlag: Diogenes, Seiten: 320

Manuela Hofstätter

Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
Manuela Hofstätter

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