Johannes Krätschell / Herr Schlau-Schlau wird erwachsen

by Manuela Hofstätter on 6. April 2017

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Einerseits meinten Hannes Freunde, er sei schon erwachsen zur Welt gekommen, mit vier Jahren vermochte er bereits zu lesen und Buchstaben und Bücher zogen ihn immer schon mehr an als die Menschen. Andererseits bewohnt Hannes eine grosse Wohnung zusammen mit seinen Eltern und sitzt dort stundenlang auf dem Lesesofa in der Bibliothek mit Erker und ist zufrieden. Das könnte man nun für einen über dreissigjährigen Mann nicht als erwachsen bezeichnen. Aber nichts ist so, wie man so denken möchte, Hannes erledigt seine Wäsche, bekocht die Eltern und bezahlt seinen Anteil an die Mietkosten. Um so schlimmer fühlt er sich hintergangen, als ihm die Eltern offenbaren, dass er sein Heim verliere. Die Wohnung ist gekündigt, die Eltern ziehen in die Uckermark und als bei Hannes der Groschen fällt, dass sie ohne ihn umziehen wollen, sitzt der Schock tief, aber eigentlich will er ja auch nicht weg aus Berlin. Und die gut 4000 Bücher, die Bibliothek? Sachlich erklären ihm die Eltern, sie hätten nun einen Kindle, nichts scheint den Eltern mehr heilig zu sein. Hannes arbeitet bei einer Textagentur, sein Chef ist ein Unmensch sondergleichen und Hannes muss zusehen, wo er eine Wohnung kriegt mit seinem eher mässigen Gehalt. In seinem Unglück badend eilt Hannes das Glück entgegen, er findet es eigentlich scheusslich, nur ein paar Strassen weiter zu ziehen, aber immerhin hat er die Bücher geschenkt bekommen. Den Rest seines Geldes hat der Alleingelassene in neue Regale aus Kirschbaumholz investiert. Nun sitzt Hannes in seiner neuen Wohnung, verzweifelt, denn sein Chef ist nicht gewillt, ihm freie Tage zu gewähren, um seine Bücher einsortieren zu können, doch da klingelt es an der Tür. Hupe steht kurz darauf in Hannes Wohnung und nachts um vier Uhr sind alle Bücher in ihren Regalen und zwei Männer auf dem besten Weg, Freunde zu werden. Hannes hätte nie gedacht, wie rasend schnell sich sein Leben nun verändert, er, der Einsame, schmeisst eine Wohnungseinweihungsparty mit vielen, vielen Leuten. Hupe erobert konstant Hannes Freundschaft und bald kennt Hannes auch den kleinen Sohn von seinem neuen Freund, Enrico, der in Hannes Bibliothek die Bücher entdeckt. Auch eine Frau, Franziska, rückt immer näher auf im engen Kreis der kunterbunten Menschen, die Hannes plötzlich näher sind, als jedes Buch. Bald schon erhält Hannes seinen Spitznamen Herr Schlau-Schlau, aus gutem Grunde und er hat sogar Freude daran. Ob beim Müsliriegel am Stiel produzieren nachts mit Hupe oder dem Teilen der Schmerzen im selben Spitalzimmer, in welchem die zwei Männer liegen, weil sie exakt denselben Unfall erlitten haben, wie auch beim Lernen, der Liebe und dem Leben zu vertrauen, wächst Herr Schlau-Schlau wahrlich über sich hinaus! Die Literatur bleibt wichtig, das Leben aber und gewisse Veränderungen sind genauso wichtig.

Fazit: Für Büchernarren und Lebenskünstler!
Dieser Roman ist ein Feuerwerk an Lebenslust und Humor und hält eine so herzerwärmende Geschichte für uns bereit, dass wir am Ende nicht mehr wissen, ob wir mehr Tränen beim Lachen oder aus Rührung weggewischt haben. Nur das Leben und die richtigen Begegnungen können uns Menschen auf die richtigen Wege führen, mögen viele Menschen dem Hupe ihres Lebens begegnen, denn es gibt sie, diese Menschen, welche uns so gut tun, dass wir selber so gut werden, wie wir es eigentlich sind. Der beste Weg, gute Freunde zu finden, ist selber einer zu sein. Ein herrlicher Roman!

Meine Wertung: 8/10

Johannes Krätschell / Herr Schlau-Schlau wird erwachsen
Verlag: Periplaneta, Seiten: 178

Manuela Hofstätter

Manuela Hofstätter

Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
Manuela Hofstätter
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