John Irving / Letze Nacht in Twisted River

by Manuela Hofstätter on 19. Mai 2010

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Ein Mann steht an einem Wendepunkt seines Lebens. Dominic und sein Sohn Danny leben in einem Camp mit Holzfällern und Flössern. Der Vater ist Koch und hat seine Frau auf äusserst tragische Weise verloren, sein Lebensziel ist es Danny zu behüten. Es ist ein rauhes, hartes Leben für die beiden, aber sie haben einen wahren Freund, Ketchum, den kantigen, eigenwilligen und bärenstarken Flösser. Ketchum ist denn auch der einzige, welcher die Wahrheit kennt, warum der Koch und sein Sohn eines Nachts für immer von Twisted River verschwinden. Eine tragische Verwechslung hat den Jungen zum Mörder gestempelt, er erschlug die Geliebte seines Vaters, weil er sie für einen Bären hielt. Von nun an sind Vater und Sohn ein Leben lang auf der Flucht, der Mann, welcher mit der Erschlagenen liiert war, ist ein äusserst unangenehmer Zeitgenosse mit dem Ziel Dominic und Danny zu ermorden. Vater und Sohn reisen durch das Land, bauen sich ständig neue Existenzen und Beziehungen auf, aber dann kommt jeweils wieder eine Warnung von Ketchum und es heisst erneut, Zelte abbrechen und weiterziehen. Sogar die Namen haben die beiden Männer gewechselt, der Sohn ist inzwischen erwachsen und ein berühmter Schriftsteller, auch Vater ist Danny inzwischen geworden. Dominic wird langsam alt, aber er kocht immer wieder weiter an einem anderen Ort, verliebt sich, hofft und bangt für seinen Sohn und seinen Enkel. Ketchum steht in ständigem Kontakt zu seinen Freunden, eigentlich sind diese Männer seine Familie, er hat das Lesen gelernt und hat alle Bücher von Danny gelesen. Die Angst lebt immer mit den Freunden mit und tatsächlich, was sie ein Leben lang befürchten, tritt ein: der Rächer findet Vater und Sohn… Was dann passiert, das steht im Buch, verraten wird hier nichts, nur soviel: Ein Mann steht an einem Wendepunkt seines Lebens.

Fazit
Ein grandioser Roman, ein Anfang ohne Ende, ein Ende wie ein Anfang. Egal wie begeistert man über dieses Buch berichten will, es gelingt nicht. Dieser Roman erzählt von tiefster Vaterliebe, wahrer Freundschaft und den Verrücktheiten, welche nur das pure Leben tatsächlich bereit halten kann. Manchmal bizarr, dann rauh, gar derb, plötzlich wieder sinnlich und gar liebreizend, zieht uns diese Geschichte in ihren Bann und fliesst immer weiter, wie der Twisted River und schliesst sich wie der Kreislauf des Wasser auf unserer Erde. Wahre Lesefreude für den anspruchsvollen Leser!

Meine Wertung: 9/10

John Irving / Letzte Nacht in Twisted River
Verlag: Diogenes, Seiten: 730

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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1 Sven Juni 24, 2010 um 08:21

Hallo Manuela, dieser Roman hat auch mich gefesselt und sehr berührt. Für mich war es der erste Irving, den ich gelesen habe – danach muss ich sagen, dass ich mir wohl noch die anderen zu Gemüte führen werden. Welchen würdest du mir empfehlen? Grüße, Sven

2 lesefieber Juni 25, 2010 um 20:50

Lieber Sven, mit einem Irving ist man nie schlecht bedient! Ich kann Dir wärmstens seinen wohl berühmtesten Roman “Gottes Werk und Teufels Beitrag” zu lesen. Vielleicht hast Du ja den Film schon gesehen… im Original hiess der “The Cider House Rules”. Sehr schräg und tiefgründig zugleich ist auch der zweite hier auf lesefieber.ch besprochene Roman von Irving “Bis ich die finde”. Liebe Grüsse, Manu

3 Sven Juni 26, 2010 um 08:27

Hallo Manuela,
danke für deine Antwort. Das Buch werde ich mir mit Sicherheit anschauen. Grüße, Sven

4 Bernd Klaus Achter August 5, 2010 um 14:21

Steckt da im erwachsenen Sohn, der Schriftsteller ist, wieder was Autobiografisches von John Irving drinnen, wie er es bei den meisten seiner Romane einfliessen ließ. Ich erinnere da an “Die Bären sind los”, “Die wilde Geschichte des Wassertrinkers” oder “Das Hotel New Hampshire”. Oftmals kommt Wien vor, wo er meines Wissens nach Anfang der sechziger Jahre zwei Semester studiert hat, oftmals kommen Ringer vor (Irving war Ringer an der Highschool) – und oft fahren Irvings Romanprotagonisten Motorrad (“Laßt die Bären los”).
Für mich stecken in John Irvings Romanen tiefgründige Gedanken und Ansätze zu Lösungen von verfahrenen Situationen des Lebens. Irving lesen erspart mitunter einen Lebens- und Sozialberater – oder zumindest so manchen Ratgeber.

5 Jo August 15, 2010 um 21:34

Vor diesem Buch stand ich gestern in der Buchhandlung, hatte es sogar in der Hand, allerdings doch nicht mitgenommen. Scheint allerdings wirklich lesenswert zu sein, alle schreiben nur positives.

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