John Lanchester / Die Mauer

by Manuela Hofstätter on 25. Juni 2019

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Kavanagh kommt seiner Dienstpflicht nach, will heissen, zwei Jahre Dienst auf der Mauer. Offiziell heisst die Mauer nationale Küstenverteidigungsbefestigung, sie schützt das, was von Grossbritannien noch übrig ist. Die Wende nennen die Menschen hinter der Mauer die neue Zeit, die Meere der Welt haben vieles verschluckt, die Menschen ausserhalb der Mauer nennen die Zeit das Ende. Der 12 Stunden Dienst bei Tag auf der Mauer ist unbeschreiblich hart, kalt und anstrengend, doch das sagt man nicht mehr, wenn man einen Nachtdienst durchgestanden hat, dieser ist um Längen schlimmer. Im Abstand von 200 Metern stehen die Verteidiger auf der Mauer, starren auf das Meer hinaus, was in der Nacht besonders anstrengend ist. Die Verteidiger halten Ausschau nach Angreifern. Menschen von draussen, die einen Angriff starten, um über die Mauer zu gelangen. Wenn Verteidiger einen Angriff nicht abwehren können und es Menschen über die Mauer schaffen, dann werden die verantwortlichen Verteidiger auf dem Meer ausgesetzt. Kavanagh hätte auch zu den Fortplanzlern gehen können, doch die Menschen wollen sich nicht freiwillig fortpflanzen auf dieser Welt, die eine derart schreckliche Welt geworden ist. Alle Menschen im Land haben einen Chip im Körper, jemand von Aussen würde sofort auffliegen. Die Alten haben zurecht das schreckliche Gefühl, die Welt vor die Wand gekarrt zu haben, Kavanagh jedenfalls besucht seine Eltern höchst ungern. Die wenigen Menschen, denen es noch besser geht, die können Dienstlinge beschäftigen, eine feudale Sache, doch manche meinen, das seien wie früher Sklaven. Kavanagh hegt Gefühle für die Verteidigerin, die neben ihm auf der Mauer Dienst tut, doch es sind keine Zeiten für Gefühle. Der Hauptmann James ist eine Legende, man sagt, er habe zu den anderen gehört, darum sei er jetzt so gut auf der Mauer, er ist streng, doch erfolgreich. Dann aber kommt er, der Angriff, und Kavanagh und die betroffenen Verteidiger werden aufs Meer verbannt. Auf ihrem Boot erleben sie eine unangenehme Überraschung, James hat sich auf dem Boot versteckt, dieser Verräter und sie hatten ihn doch alle bewundert. Nun beginnt ein Überlebenskampf auf dem offenen Meer Haben sie keine Chance, sie kämpfen, die finden gar Land, doch es ist unerreichbar, spendet ihnen aber ein wenig Wetterschutz und sie werden aufgenommen von den Menschen, die dort auf Flossen gemeinsam zu Überleben versuchen. Kavanagh taucht mit seinem Kollegen ins eiskalte Wasser, sie können Algen erreichen und Jakobsmuscheln. Doch dann taucht ein grosses Schiff auf, ein Piratenschiff, werden sie nun alle sterben?

Fazit: Kuishia bedeutet das Ende!
John Lanchester zeichnet ein Bild unserer Welt, welches uns mit grosser Unruhe erfüllt, doch er tut hiermit etwas Wichtiges, dieser Roman rüttelt auf. Die zwischenmenschlichen Regungen sind von Anfang an in der Geschichte immer rar und doch konstant vorhanden, sei es, wenn eine Frau auf dem Rad allen Verteidigern ein heisses Getränk und einen Energieriegel bringt, oder später in der Geschichte, wenn sie in einer gewissen offenen Hoffnung endet. Kein Buch für alle, aber das Buch für manche!

Meine Wertung: 7/10

John Lanchester / Die Mauer
Aus dem Englischen übersetzt von Dorothee Merkel
Verlag: Klett-Cotta Literatur, Seiten: 348

Manuela Hofstätter

Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
Manuela Hofstätter

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