Jonas Lüscher / Kraft

by Manuela Hofstätter on 3. Oktober 2017

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Nominiert für den Schweizer Buchpreis 2017

Richard Kraft ist ein Mann, der es eigentlich geschafft hat. Er ist Rhetorikprofessor, verheiratet und Vater, doch um seine finanzielle Situation steht es nicht zum Besten und er hat seine Familie gründlich satt. Kraft weiss eigentlich nicht mehr, warum er Ruth geheiratet hat, auch die Vaterschaft hat ihn dann auf eigenartige Weise eingeholt. Doch dann zeichnet sich eine einmalige Chance im Leben des resignierten Professors Kraft ab, ein alter Freund, István, der an der Stanford University tätig ist, fordert ihn zur Teilnahme an einem wissenschaftlichen Wettbewerb auf. Im Silicon Valley bietet ein Internetmogul demjenigen eine stattliche Million Dollar, der in einem 18-minütigen Vortrag die These “Weshalb alles, was ist, gut ist und wir es dennoch verbessern können.” am besten erörtern kann. Kraft ist begeistert, endlich eine ihm angemessene Aufgabe, sein hellwacher Verstand beginnt sogleich auf Hochtouren zu arbeiten und er ist sich vollkommen sicher, er kann gewinnen und sich so zugleich von seiner anspruchsvollen Familie freikaufen. Im Silicon Valley angekommen erkennt Kraft das Ausmass seiner Situation und den Druck, der nun auf ihm lastet. Gewisse Verpflichtungen könnten ja für eine angenehme wie wichtige Zerstreuung sorgen, so wie etwa eine empfohlene Kanufahrt zu den Seehundklippen. Doch Kraft, sich sehr in seinem eigenen Wissen wiegend, erahnt nicht, dass die eindringlichen Anleitungen und Warnungen des Tourführers überlebenswichtig sind und gerät in einen Unfall und Überlebenskampf, der ihn in eine äusserst blamable Lage bringt. Richard Krafts Lage wird sich noch weitaus dramatischer verschlechtern, gelingt es ihm, den siegbringenden Vortrag zu halten, das Beste aus seinen Gehirnwindungen hervorzuholen und zu bestehen, ja sich einen Neuanfang zu ermöglichen?

Fazit: Sein oder Nichtsein …
… das Dasein mit Familie wird für den Professor Kraft zu einer kräftezehrenden Farce, derer er sich gerne entledigen würde. Ein Preisgeld von einer Million Dollar klingt nach einer verlockend einfachen Lösung, aber eben, auch Professor Richard Kraft ist nur ein Mensch. Ein Mensch mit einer Geschichte, mit Wurzeln, mit Erinnerungen und etlichen Dingen, die ihn nun einholen, wo er doch zu seiner Bestleistung gelangen möchte, ja muss! Eine arge Demontage und Talfahrt steht dem Protagonisten Kraft bevor und all sein Wissen kann ihn nicht davor bewahren, vielleicht eher das Gegenteil ist der Fall und wir sind ganz froh, passiert dies nicht uns und lesen wir nur darüber, nicht wahr? Ein Buch, das schon ein wenig Kraft erfordert von seinen Lesern …

Meine Wertung: 7/10

Jonas Lüscher / Kraft
Verlag: C.H. Beck, Seiten: 233

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