Josefine Rieks / Serverland

by Manuela Hofstätter on 27. August 2018

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Reiner, Mitte zwanzig, lebt eher in sich gekehrt und gilt als Nerd. Ja, er trauert der alten Zeit nach, als das Internet die Menschheit noch verbunden hat, grenzenlose Freiheit Alltag war. Dann wird er von einem alten Kumpel mitgenommen, dieser hat zuerst einen alten Serverraum gefunden und heisse Plätze, um Elektroschrott zu finden. Die Begeisterung bei Reiner ist gross, gerne reist er dann auch nach Holland, um in eine stillgelegte Serverhalle von Google einzusteigen, um dort das alte Netz zumindest in kleinsten Stücken wieder anzuzapfen. Etliche Youtube-Filmchen werden auf Festplatten heruntergeladen und dann auf CD gebrannt, um per Post verbreitet zu werden, bald sammeln sich auf dem Areal junge Leute, Retronerds könnte man sie nennen. Ein Beamer kann in Betrieb genommen werden, so schaut man sich gemeinsam diverse Sachen an. Vom dümmlichen Beitrag eines Säufers bis hin zu Musikvideos der vergangen Zeit oder politisch brisanten Tatsachen der Vergangenheit wie Völkermord oder Terroranschläge. Doch in den Köpfen der Konsumenten macht der Inhalt des gesehenen keinen Unterschied aus. Es ist alles nur nette Unterhaltung und Reiner wird zunehmend aggressiv. Er war es schliesslich, der ein Programm entwickelt hat, damit jeder mit diesem Daten von den Servern herunterladen kann, zuerst glaubte er, eine gewisse Achtung der anderen seiner Person gegenüber zu spüren, doch dies währt nicht lange an und er merkt, seine Mission ist nicht umsetzbar. Wobei, hat er überhaupt eine Mission gehabt, oder wollte er auch nur ein wenig Gamen, Unterhaltung und Nerd sein zelebrieren?

Fazit: Rückblick auf die alte Zeit, als die Menschen noch Internet hatten.
Dieser Roman, der in einer nahen Zukunft spielt, zeigt uns eine Menschheit auf, die undefinierbarer nicht sein könnte. Was ist passiert, dass man der Weltbevölkerung das Internet gekappt hat? Egal, die Menschen dümpeln daher, einzig ein paar freakige Nerds geraten in Aufruhr, als sie ein paar Youtube-Filmchen und ein paar Spuren aus der Zeit des Internets anzapfen können, der Zeit, als die Menschheit so verbunden und frei war, doch ihr Engagement hat keine Reichweite, denn sie scheinen die verlorene Generation zu sein, bekifft, leicht zu unterhalten, nicht bereit zu reflektieren, zu träge, um wirklich zu rebellieren, undefiniert und gelangweilt. Dieser Roman hat mit einer vielversprechenden und verlockenden Vorstellung der Welt in naher Zukunft begonnen, doch dann passiert nichts und noch weniger, unsere Fragen werden nicht beantwortet, es herrscht die Einfallslosigkeit, enttäuschend werden manche sagen, ein grosser Wurf andere, ich denke, recht präzise! Kein Roman für die breite Leserschaft, aber bitte gerne lesen und sich ein eigenes Bild machen davon.

Meine Wertung: 6/10

Josefine Rieks / Serverland
Verlag: Hanser, Seiten: 176

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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