Juan Villoro / Das dritte Leben

by Manuela Hofstätter on 22. Juni 2016

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Mario und Tony, zwei Freunde aus dem sittlichen, europäischen Raum hat es in ihrer Jugend durch ihre Band in die Welt hinaus katapultiert. Natürlich erleben sie als wahre Rocker auch den Rausch, der dazugehört. Tony hat es übertrieben und sich mit seinen Drogencocktails fast das Leben genommen, die Hälfte seines Hirns und somit seiner Erinnerung ist jedenfalls tatsächlich nur noch Schall und Rauch. Mario hat ihn aus der Drogenhölle herausgeholt, mitten hinein in seinen luxuriösen Hotelkomplex, genannt Pyramid, wo Gäste teuer zahlen, um in der mexikanischen Karibik auf den Spuren der Maya und Guerilleros noch die letzten Gipfel der Abenteuer im Leben zu erklimmen. Tony lebt nun bemüht gesund, er hat den Auftrag, die Bewegungen der Fische im Aquarium in Töne umzuwandeln. Mario erinnert ihn immer wieder an ihre Freundschaft und bietet Tony diejenigen Erinnerungen an, die ihm sein Hirn verweigert. Doch Tony kann nur verblüfft beobachten, wie die dekadente Gästeschar im Hotel sich daran erfreut, überfallen, gefesselt und ein bisschen gequält zu werden. Doch dann gibt es zwei Leichen im Pyramid zu beklagen, einen angestellten Tauchlehrer und dessen Freund. Mario ist dies nur ungemein lästig und unangenehm, einzig Tony mochte den Tauchlehrer. Auch wenn Tony selber nicht schwul ist, möchte er nicht an die These eines erotischen Selbstmordes der beiden glauben. Der ermittelnde Kommissar ist nebenbei auch noch Priester, Tony weiss nicht, was er von diesem Mann halten soll, doch er weiss noch weniger, was er über seinen alten Freund Mario denken soll. Mexiko ist in der festen Hand der Korruption und der Drogensyndikate, kann dies auch mit den Verstorbenen zusammenhängen? Doch ehe sich eine Wahrheit abzeichnet, stellt sich heraus, dass Mario todkrank ist und einen letzten Wunsch an Tony hat. Wird Tony diesem Wunsch entsprechen? Zeitgleich kommt ein reicher, englischer Investor und bietet Tony die Leitung des Pyramid an, natürlich unter einem ganz neuen Konzept.

Juan Villoro / Das dritte Leben

Fazit: Messias im Hawaiihemd
Tourismus der ganz besonderen Art in der mexikanischen Karibik, wo schon längst alle Hotels stillgelegt sind, floriert einzig noch das Pyramid. Das Konzept, Urlaub mit echten Gefahren erleben oder besser gesagt überleben. Allerdings passen da zwei echte Leichen gar nicht ins Konzept und zwei echte Freunde kommen an ihre Grenzen. Mexiko aber zeigt sich in seiner ganzen Brutalität. Drogen und Gewalt herrschen und wen es hierhin verschlagen hat, der ist ohnehin ein Gestrandeter. Dieser Roman hat mir recht Mühe bereitet, da ich nicht fundierte Kenntnisse habe über die Zustände in Mexiko, hat sich mir der schwarze Humor wohl nicht in seiner ganzen Bandbreite offenbart. Doch komischerweise hat dieser Roman doch eine absurde Faszination auf mich ausgeübt, die Grundidee gefällt mir, die Umsetzung nicht so wirklich.

Meine Wertung: 5/10

Juan Villoro / Das dritte Leben
Verlag: Hanser, Seiten: 288

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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