Juli Zeh / Corpus Delicti

by Manuela Hofstätter on 16. Juni 2009

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Den Tod ihres Bruders verkraftet Mia Holl schlecht, so schlecht, dass sie für den Staat auffällig wird, verwarnt, gemeldet und schliesslich wegen erneutem Brechen der Regeln verurteilt. Das Urteil lautet Einfrieren auf unbestimmte Zeit. Wir sind im 21. Jahrhundert, die Menschheit ist gesund, sauber, fast steril, der Mensch hat sein Bestes zu geben, damit dies auch immer schön so bleibt. Mias Bruder aber reichte dieses Leben nicht, er rauchte, ein schlimmer Verstoss gegen die Rechte, er brach in Gebiete ein, welche den Menschen verboten sind, er liebte die wilde Natur, ein Rebell, ein Feind der Methode, dies kostete ihn letzten Ende sein Leben. Mia lässt sich in ihrer Trauer gehen, sie liefert die Daten nicht mehr ab, welche sie der Methode schuldet, sie erfüllt die Pflichten nicht mehr, wird aber ganz allmählich wieder ein denkender Mensch, ein Freigeist. Dies eigenständige Denken, wurzelt erst nur in der Trauer um den Bruder, aber dann gipfelt Mias Auflehnung in Wissen um die Macht der Freiheit, und diese ist sie dann auch bereit mit ihrem Leben zu bezahlen. Es gibt Aufruhr unter den Menschen, einige wollen auch wieder Freiheit, sie stilisieren Mia zur Heldin, diese sieht darin dann endlich auch noch einen Sinn, einen grossen Sinn sogar. Mia will verurteilt werden und somit ein Zeichen setzten, ihre Hoffnung in die Nachwelt ist gross, aber dann kommt alles anders…

Fazit
Eine Welt voller Vorschriften, natürlich nur um der Menschheit das Beste überhaupt zu gewährleisten, ein langes und gesundes Leben. Diese Zukunftswelt präsentiert uns die Autorin und wir merken bald, dass diese Welt nicht eine glücklichere Welt ist. Plötzlich stehe ich als leidenschaftliche Nichtraucherin, den Rauchverboten etwas kritischer gegenüber und generell ist mir beim Lesen dieser Zukunftsgeschichte etwas flau im Magen geworden. Gewiss will ich aufpassen, dass mein Glück nicht beschränkt wird durch Regeln und Sorge tragen, dass wir uns als Menschheit nicht in zu vielen Dingen beschneiden lassen. Ein anregender, intelligenter Roman.

Meine Wertung: 7/10

Juli Zeh / Corpus Delicti
Verlag: Schöffling & Co., Seiten: 264

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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