Julian Barnes / Lebensstufen

by Manuela Hofstätter on 19. Februar 2015

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Einst waren sie kühne Menschen, von vielen wurden sie als gefährlich oder gar gotteslästerlich angesehen, denn die Menschen werden ja schliesslich auf der Erde geboren. Die Rede ist von den ersten Ballonfahrern in der Geschichte des Abhebens der Menschheit von der Erde. Einer von ihnen hat die erste Luftaufnahme aus seinem Ballon aufgenommen und dafür sein Leben riskiert. Die Fotografie und die Ballonfahrt, sie erzählen ihre Entstehungsgeschichte und von den Menschen, welchen sie diese zu verdanken haben. Diese Menschen waren leidenschaftlich, so auch in der Liebe. Doch ihre Leidenschaften sind auch gefährlich, verbrennen können sie Mensch und Gut. Der abgehobene Blickwinkel hoch oben vom Himmel herunter auf die Erde, dieser Blickwinkel wird für den Autor Barnes absurde Realität. Als Barnes nach dreissig Ehejahren innert Kürze seine Frau verliert, ein Hirntumor hat sie ihm entrissen, da fühlt er sich wirklich nicht mehr von dieser Welt. Seltsam abgehoben, von der Trauer entwurzelt, kann er tief berührend und ehrlich seine Sicht auf sein jetziges Leben schildern. Es scheint ihm zuweilen gar nicht mehr lebenswert, er sucht nach Lebenssinn, die Sehnsucht nach seiner Frau führt zu einer Todessehnsucht in seinem Herzen. Doch Barnes trauert und er tut dies konsequent. Er erlaubt sich den tiefsten Abgrund und Missverständnis für die guten Ratschläge seiner Freunde, er ist echt und ganz in seiner Trauer und darum lebt er weiter und mit ihm, auf ergreifende Art und Weise, auch seine Frau.

Julian Barnes / Lebensstufen

Fazit: Die Geschichte der Ballonfahrt, der Fotografie und der Liebe!
Barnes Roman hebt mit uns ab und ist regelrecht ein Buch, das Mut zum Trauern macht. Der Autor schenkt uns tiefe Einblicke in seine Gefühlswelt des Trauerns, mutig und bewegend ist das, und wie ich finde sehr lebensbejahend! Wer sind wir denn, wenn wir nicht mehr die Grösse haben, Verlust und Trauer richtig zu durchleben?

Meine Wertung: 8/10

Julian Barnes / Lebensstufen
Verlag: Kiepenheuer & Witsch, Seiten: 144

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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