Juliana Kálnay / Eine kurze Chronik des allmählichen Verschwindens

by Manuela Hofstätter on 13. September 2017

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Nominiert für den Franz-Tumler-Literaturpreis 2017

Ein Haus, mehrere Stockwerke, eine Souterrainwohnung, verschiedene Bewohner. Viele Kinder, deren Eltern, stimmigerweise die chronisch Schlaflosen genannt, ein älterer Mann im vierten Stock, der etwas zu verbergen hat, das plötzlich bei ihm aufgetaucht ist. Teenager, die sich zum ersten Mal verlieben könnten und eine alte Frau mit einem grossen Baum auf ihrem Balkon. Rita heisst die Alte und ihr Baum ist ihr Ehemann. Rita weiss alles über die Menschen im Haus, zumindest tut sie so und sie verfügt vielleicht auch über genug Fantasie um allfällige Wissenslücken gekonnt zu füllen. Es gibt da diese leere Wohnung, keine Mieter haben es da lange ausgehalten, es muss etwas Ungutes mit dieser Wohnung auf sich haben. Plötzlich ist da noch ein Hausbewohner mehr, er hat quasi eine fahrbare Einzimmerwohnung, eine sehr kleine, er zieht nämlich in den Lift ein. Bloss Dusche und Klo fehlen ihm in seinem Minireich, aber es findet sich eine gute Lösung. Da ist die Familie mit Maia, die immer Dreck unter ihren klauenartigen Nägeln hat, die sich am wohlsten fühlt, wenn sie sich draussen in einem Erdloch verkriechen kann. Dann ist Maia eines Tages verschwunden, man sucht sie, alle suchen. Die Polizei muss gerufen werden, Maia lässt sich nicht finden. Und diese komischen Leute in der Souterrainwohnung, die hat man vergessen. In seltenen Momenten rätselt man, ob sie wohl noch dort unten wohnen, sehen tut man sie allerdings nie. Die Kinder lieben das Spiel mit dem Feuer, täglich hantieren sie mit einer Feuerpfanne und verbrennen kleine Dinge, wie es wohl wäre, wenn man etwas richtig grosses Verbrennen könnte? Ein Kind spielt nicht mit dem Feuer, denn es hat Angst vor diesem Zischen, dem voranfressenden, knackenden Feuer. Es riecht im Haus nach Fisch, ist das die Schuld der Frau, die ein Aquarium mit Goldfischen in ihrer Wohnung hat? Wobei, es riecht auch immer wieder nach Katzenpisse, obwohl nie jemand im Haus eine Katze hatte.

Fazit: Alles Schall und Rauch!
Der Roman von Juliana Kálnay wird von den Fachleuten hochgelobt, ich habe beim Lesen meine liebe Mühe gehabt und wage zu behaupten, dass die Autorin dies gar nicht ungern vernimmt. Kálnay hat keinen Roman mit einem klaren Handlungsfaden geschrieben, sie will, dass ihr Roman spielerisch auf den Lesenden einwirkt, jeder das Buch anders liest. Ich habe meinerseits eine Geschichte gesucht und nicht gefunden, aber Unbehagen hat mich erfasst beim Lesen, bis in wilde Albträume hat es mich verfolgt. Feuer ist für mich etwas Zentrales gewesen beim Lesen dieses Romans, viele Geschichten zündeln an, brechen ebenso schnell wieder ab und manchmal lodert da ein Feuer auf in einer schönen Szene, einer abstrusen, einer skurrilen. Ein seltsamer Roman, einer, über den man sicherlich gut verschiedener Meinung sein kann.

Meine Wertung: 6/10

Juliana Kálnay / Eine kurze Chronik des allmählichen Verschwindens
Verlag: Wagenbach, Seiten: 192

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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