Katja Kallio / Die Zeit der Zugvögel

by Manuela Hofstätter on 30. Juli 2011

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Es ist ein etwas zurückgezogenes Leben, auf einer kleinen Insel vor Helsinki namens ­Suomenlinna, welches Katariina führt. So stimmt es für die verschlossene, oft wortkarge Frau. Ihr Mann Olli ist Fotograf, immer auf der jagt nach den Bildern, welche die Wahrheit zeigen, die gemeinsame Tochter Elina ist das Wichtigste in ­Katariinas Leben, ­dies verletzt Olli ein wenig. ­Katariinas Stimme ist wohl die Bekannteste im ganzen Land, sie hat sowohl die Stimmaufnahmen für Navigationsgeräte gemacht wie auch zahlreiche Stücke und andere Sachen gesprochen. Doch bei den neusten Aufnahmen ist ihre nüchterne Stimme für einmal gar unprofessionell, die Nachricht vom Tode ihres Vaters hat Katariina erschüttert. Der Tod eines Vaters, den sie nicht gekannt hat, der sie verlassen hat und der sie nun dermassen zum Weinen bringt. Nur Olli ist es zu verdanken, dass Katariina es schafft, die paar Habseligkeiten ihres Vaters in einer kleinen Pension abzuholen. Wer war dieser Mann, der in einem kleinen anonymen Zimmer starb? Diese Frage verfolgt die Tochter noch weitaus nachhaltiger als ihr lieb ist, völlig aus der Bahn wirft Katariina die Tatsache, dass sie noch drei Halbgeschwister hat, fatalerweise heissen ihre beiden Halbschwestern genau gleich wie sie und dann ist da noch der Halbbruder Markus. Das Unausweichliche holt Katariina ein, das Treffen mit den Halbgeschwistern. Und das ist eine Tortur zwischen Faszination und Katastrophe, für alle Beteiligten. Immer verwirrender gestaltet sich das Bild um den Vater, viele Varianten erzählen eine Sicht auf diesen Mann, sicher ist wohl nur, dass trotzdem nichts der Wahrheit entspricht. Schliesslich fragt man sich, wohin hat bloss alles geführt, und die Antwort darauf ist verblüffend.

Fazit
Dieser Roman ist absolut einzigartig! Da begegnen wir dieser besonderen Frau Katariina und fragen uns auch, wer ihr Vater war und dann treten allerlei Personen aus ihrer Familie und aus dem Umfeld des Vaters auf und erzählen uns aus ihrer Perspektive. Was wir vernehmen, ist ein karges, knappes, ein geheimnisvolles Lebensbild eines speziellen Vaters, der genauso spezielle Kinder zurück- und alleingelassen hat. In das Leben dieser Alleingelassenen erhalten wir aber einen so unvermittelt tiefen Einblick, dass wir ihre Geschichten nie wieder vergessen werden.

Meine Wertung: 9/10

Katja Kallio / Die Zeit der Zugvögel
Verlag: Krüger, Seiten: 346

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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