Kenneth Bonert / Der Löwensucher

by Manuela Hofstätter on 12. August 2015

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Es ist die Zeit gekommen, dass Gitelle Hegler mit ihrem Sohn Isaac auch ihre geliebte Heimat verlassen muss und im litauischen Dorf Dursat bleiben viele verwandte Familien zurück. Abel Hegler ist schon früher nach Südafrika geflüchtet und hat eine Uhrenwerkstatt in Johannesburg und eine bescheidene Bleibe. Gitelle hat ihre liebe Mühe in Afrika, die Heimat fehlt ihr und ihr Sohn zieht im Ghetto mit schwarzen Jungs um die Häuser, das will sie nicht und dies erklärt sie Isaac nachhaltig. Gitelle ist eine ganz herausragende Person, sie hat einen unbeugsamen Willen und erreicht eigentlich immer, was sie will und man erkennt ihre Schönheit, obschon ihr Gesicht schon vor der Geburt ihres Sohnes entstellt worden ist. Isaac hat das Geheimnis plötzlich teilweise gelüftet, seiner Mutter wurde bei einem Pogrom schreckliches Leid angetan. Zuerst war dieses Wort für Isaac ein Fragezeichen, jetzt ist es zur Antwort geworden für so viele Dinge im Leben der Heglers. Die Mutter will, dass Isaac nach der Schule sofort Geld verdient, egal wie, sie will in einem Haus leben und nicht im jüdischen Elendsviertel. Gitelle ist besessen von diesem Wunsch nach einem Haus und der Sonnenseite des Lebens, sie will es schaffen und sie will Geld horten, viel Geld um ihre Schwestern und deren Familien zu retten vor diesem schrecklichen Hitler und dessen Tun und sie nach Afrika holen zu können. Abel wünscht sich hingegen, dass sein Sohn einen Beruf erlernt und ehrliche Arbeit schätzt. Isaac muss seinen Weg finden und seine Versuche als Strassenverkäufer starten so vielversprechend wie sie dann auch enden. Es folgt ein Job bei einer Umzugsfirma, dort lernt Isaac den Wunderverkäufer Bleznik kennen, ein Mann, der die Menschen umgarnen kann und ihnen einfach alles verkaufen kann, leider ist Bleznik aber auch ein Spieler. Isaac geht mit Bleznik auf Tour und sie verlieren alles, einfach alles. Isaac hat auch seine grosse Liebe erobern können. Yvonne, Tochter stinkreicher Engländer, Nichtjüdin und ein Dorn in den Augen von Gitelle. Isaac aber ist entflammt, stolz darauf, dass er Yvonne tatsächlich an seiner Seite hat. Darum fängt Isaac eine Lehre in einer Autogarage an und ist stolz, als er nach der Probezeit sein eigenes Werkzeug in den Händen hält und arbeitet wie ein Verrückter, denn er hat zeitgleich zusammen mit Bleznik eine Firma gegründet. Plötzlich ziehen Fremde in dieselbe Strasse und Isaac spürt erneut, was Judenhass bedeutet. Die Familie Oberholzer gehört zu den antisemitischen Grauhemden und Isaacs Leben wird erschüttern wie noch nie. Isaac aber will Leben, er kämpft und er lüftet zugleich noch das grosse Familiengeheimnis der Heglers. Wird er es schaffen? Ist er Löwe oder Schaf?

Kenneth Bonert / Der Löwensucher

Fazit: Bist du ein Löwe oder ein Schaf?
Das Schicksal einer jüdischen Einwandererfamilie in Südafrika! Die Heglers, die wird man nach diesem Roman nicht mehr vergessen und Isaac, der geht uns besonders nahe. Ein Jüngling, vom Willen her ein Löwe, ganz klar, aber eben ein junger. Einer, der oft glaubt, es werde nun alles gut und welchen das Leben eins ums andere Mal belehrt. Wir leiden, es zerreisst uns fast das Herz und wir staunen, hier schreibt ein grosser Erzähler, entführt uns in diese Geschichte und wir vergessen beim Lesen einfach alles andere. Wenn Isaac leidenschaftlich arbeitet, fühlen wir den Hammer in der Hand und das Metall unter unseren Händen, dies ist ein grossartiger Roman für mich!

Meine Wertung: 9/10

Kenneth Bonert / Der Löwensucher
Verlag: Diogenes, Seiten: 781

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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