Kent Haruf / Unsere Seelen bei Nacht

by Manuela Hofstätter on 10. April 2017

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Eine Kleinstadt irgendwo in Colorado, man kennt sich, und eben auch nicht. Addie und Louis sind Nachbarn, beide im ungefähr gleichen Alter um die 70 Jahre alt, beide mussten ihren Ehepartner schon verlieren. Als es bei Louis klingelt und Addie vor der Türe steht, staunt dieser schon ein wenig, er mag diese hübsche Nachbarin, sie hat alles gut in den Griff bekommen, nach dem Tod ihres Mannes, meistert ihr Leben. Louis Frau hat mit Addie den Kontakt gepflegt, aber nun ist die Nachbarschaft fast brachgelegen, um so erstaunter lauscht Louis Addies ungewöhnlicher Einladung. Sie möchte Louis bitten, sich zu überlegen, ob er ab und zu zu ihr kommen würde in der Nacht, um neben ihr im Bett einzuschlafen, sie schlafe so schlecht, seit die eine Betthälfte leer sei. Louis kann dies gut nachvollziehen, geht es ihm doch ähnlich, aber diese Idee findet er zuerst schon sehr kühn. Aber Addie versichert ihm verschmitzt, dass es sich um kein unmoralisches Angebot handle, einfach nebeneinanderliegen, gemeinsam sprechen und nicht so einsam einschlafen, dies sei ihr Wunsch. Rasch beschliesst Louis, es so zu versuchen und steht im Dunkeln vor Addies Haus. Es ist schön, gemeinsam ein Glas Wein und ein Bier zu trinken und dann im Bett gemeinsam zu plaudern. Bald erzählen sich die beiden so vieles aus ihrem Leben, sie staunen, wie die Wahrheit aussieht und vom Bild abweicht, welches sie oberflächlich voneinander haben. Addie und Louis vertrauen sich, gestehen sich, einander sehr zu mögen. Doch ihr Umfeld reagiert bissig, zuerst ein Kumpel von Louis und dann auch andere, doch das Geschwätz wird sich bald erledigen, dessen sind sich Addie und Louis sicher und zeigen sich bewusst auch tagsüber zusammen im Städtchen. Dann aber taucht plötzlich Addies Enkelkind auf, es ist in einer Notlage, in der Kinder so sehr leiden, die Eltern haben grosse Mühe miteinander. Louis unterstützt Addie und ihren Enkel, wo er nur kann, der Junge soll wieder lachen können, abgelenkt werden, sogar ein Hund wird angeschafft. Es wäre alles richtig gut, doch dann bricht Addies Sohn wütend in die Idylle ein.

Fazit: Eine Nacht ohne Einsamkeit!
Dies ist das letzte Buch von Kent Haruf, der kurz nach dessen Vollendung im Jahr 2014 schon starb. Die Geschichte von Addie und Louis ist einfach wunderbar zart und wohltuend. Was mit einer wagemutigen Idee beginnt, führt zu einem späten, grossen Glück. Die Lebensgeschichten, welche sich da offenbaren sind überraschend, ehrlich und zeugen von zwei feinen Protagonisten, die alles überstanden haben und nun im Alter noch einmal Mut beweisen. Die Filmrechte für zu diesem Roman sind offenbar schon verkauft, ich sage nur: Jane Fonda und Robert Redford! Vorfreude ist auch ein herrliches Glück!

Meine Wertung: 8/10

Kent Haruf / Unsere Seelen bei Nacht
Verlag: Diogenes, Seiten: 197

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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