Kim Echlin / In der Mitte des Flusses

by Manuela Hofstätter on 16. Mai 2011

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Dass ihr mit jungen sechzehn Jahren schon die grosse Liebe ihres Lebens begegnet, das weiss Anne sofort als sie Serey in Montreal zum ersten Mal begegnet. Doch Annes Vater reagiert unwirsch auf den älteren Freund ihrer Tochter, erst als diese Beziehung schon recht lange andauert, kommt es zu einem kurzen, kühlen Aufeinandertreffen der beiden Männer. Anne kann ihren Vater nicht verstehen, ausgerechnet er, sieht in Serey den Ausländer, er der doch selber Einwanderer war, nun prophezeit er seiner Tochter warnend, dass Serey, wenn er die Möglichkeit bekommt, heimkehren und Anne zurücklassen wird. Aber Kambodschas Grenzen sind seit Jahren geschlossen, Serey und Anne lieben sich innig, wohnen bald zusammen, lieben die Musik und das Leben. Das Glück ist gross, dann öffnen sich die Grenzen und der Vater bekommt recht. Anne ist traurig, ein Leben ohne Serey ist kein Leben, ob er wohl seine Familie gefunden hat, ob sie den grausamen Völkermord überlebt haben? Warum nur schreibt ihr der Geliebte nicht, antwortet auf keinen ihrer zahlreichen Briefe, ist ihm gar etwas zugestossen? Zehn Jahre lebt Anne lustlos in die Tage hinein, lernt Sprachen, auch Khmer, die Sprache ihres Geliebten, diese lässt sie durchhalten und dann glaubt sie ihn in einer TV-Reportage über Kambodscha erkannt zu haben und fliegt sofort los. Kambodscha ist ein faszinierendes Land, aber es ist ein Land, welches am Boden liegt und jeder misstraut jedem, die Menschen die überlebt haben, trauern alle um ihre gemordeten Familienmitglieder und Freunde. Der Völkermord angeleitet von Saloth Sar, der Pol Pot Regierung hat alle religiösen wie kulturellen Lebensformen niedergemetzelt. Mindestens ein Achtel der Gesamtbevölkerung des Landes wurde ermordet. Anne sucht Nacht für Nacht in den Klubs nach Serey, wo Musik ist, müsste er zu finden sein. Unglaublicherweise findet Anne Serey, und ihre Liebe ist kein Bisschen kleiner geworden, Anne zieht zu ihrem Geliebten, dort hängt ihr Bild über seinem Bett, jetzt ist alles gut. Aber Serey ist nicht mehr ganz derselbe, er hat seine Familie verloren, das hat etwas dunkles Melancholisches in seine Seele gebracht und sein Bruder, welcher überlebte, steht auf der falschen Seite. Anne stellt sich der grauenvollen Geschichte Kambodschas, sie versteht Sereys Trauer. Durch Annes Anwesenheit wird alles wieder ein wenig besser in Sereys Leben, bald erwarten sie ein Kind und es wäre gut, wenn Anne wüsste, dass Serey nicht einfach so als Übersetzer arbeitet, doch für wen und was genau er tätig ist, das verschweigt er, bis die Realität brutal zuschlägt über ihrer besonderen Liebe …

Fazit
Eine atemberaubende Liebesgeschichte, eine unvergessliche, da bin ich mir sicher! Aber dieser Roman erzählt uns auch viel über die grauenvolle Geschichte Kambodschas, das ungeheure Leid welches über diese Bevölkerung hereinbrach, erschüttert zutiefst. Die Autorin findet ein gutes Mass uns schonungslos zu zeigen wie schrecklich Kriegsleid und Völkermord ist und legt doch auch eine einzigartige spannende auch schöne Geschichte vor.

Meine Wertung: 8/10

Kim Echlin / In der Mitte des Flusses
Verlag: atb, Seiten: 263

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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1 Erna Bormann Mai 17, 2011 um 16:36 Uhr

Liebe Frau Hofstätter,
Da ich weder Facebook noch Twitter mag, schreibe ich einen auf diesem Weg, wie mich die Begegnung mit Ihnen in Dietikon gefreut hat. Sie haben die ausgewählten Bücher mit so viel Überzeugung und Liebe vorgestellt, dass es mir schwer fallen wird, nicht entgegen meiner momentanen Idee, die Bücherregale nicht zu überfüllen, zu handeln.
Kompliment und vielen Dank für einen wunderbar leichten Abend mit Tiefgang.
Es grüsst Sie herzlich
Erna Bormann

2 lesefieber Mai 17, 2011 um 22:35 Uhr

Liebe Frau Bormann,
welche Freude Ihre Worte lesen zu dürfen, ich habe mich so wohl gefühlt bei Ihnen allen! Das Scriptumteam hat eine wertvolle, herzliche Kundschaft, Mengia ist aber einfach ein Mensch, welchen man wahrnimmt und schätzt. Für mich ist es ein einmalig schöner Abend gewesen und ich schreibe Ihnen ein herzliches Dankeschön für Ihre Rückmeldung und die Zeit welche Sie sich für mich genommen haben. (Ich finde überfüllte Regale herrlich…aber ich tausche oft auch Bücher aus mit Anderen, dies lindert das Platzproblem erheblich).
Mit lieben Grüssen und Gedanken, Manu

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