Leila S. Chudori / Pulang

by Manuela Hofstätter on 15. September 2015

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1968, Indonesien ist in Unruhe, viele Menschen sind auf der Flucht vor Diktator Suhartos Agenten, die erbarmungslos alle Menschen jagen und welche mit dem Kommunismus liebäugeln oder auch nur ein wenig anders Denken möchten. In Jakarta brodelt es, man hat Angst, aber viele sind auch bereit, für ihre Gedanken zu kämpfen, so auch eine Gruppe von Freunden, Studenten und junge Journalisten. In ihrem Blatt versuchen sie aufzuzeigen, was in ihrem Land passiert und dass hunderttausende Menschen ermordet werden und der Fluss rot gefärbt ist vom Blut der Massakrierten. Einer der verfolgten Journalisten kann einige Jahre noch untertauchen, dann wird er gefasst, Freunden von ihm ist die Flucht nach Peking gelungen und unter Umwegen dann schliesslich nach Frankreich, genauer nach Paris. So treffen in Paris vier Exilindonesier wieder zusammen und sie müssen feststellen, Paris hat genügend Autoren und Journalisten, sie müssen sich mit einer anderweitigen Geschäftsidee durchschlagen und gründen spontan das erste indonesische Restaurant in Paris. Dimas, der Koch in der Truppe, leidet sehr darunter, dass er nie mehr in seine Heimat zurückreisen kann und bei einer Demonstration lernt er seine zukünftige und kluge Frau Vivienne kennen und lieben. Ein Teil seines Herzens ist aber für immer in Jakarta, es gehört der Frau des ermordeten Journalistenfreundes und dessen Kindern, auf immer. Dimas und Vivienne bekommen eine betörend schöne und ebenso wissbegierige Tochter Lintang. Als Lingtang zur Studentin herangewachsen ist, beschliesst sie als Abschlussarbeit einen Dokumentarfilm über die Ereignisse in Indonesien von 1965 an zu machen, sie will Betroffene aufsuchen, welche in Gefangenschaft geraten sind oder Menschen, die damals jemanden verloren haben. Es ist das Jahr 1998, als Lintang in Jakarta ankommt, die Stadt erlebt erneut Unruhen, dieses Mal werden es diejenigen sein, welche zum Sturz des Diktators Suhartos führen werden. Lintang beginnt zu verstehen, wie gross das Leid der Menschen wirklich war und immer noch ist und sie begegnet dem Sohn des verstorbenen Journalisten Alam. Dimas, Lintangs Vater bewundert stolz und auch angstvoll die Reise und Arbeit seiner Tochter und ahnt, er wird seine geliebte Heimat auch bald wieder sehen, nicht so wie erwartet, aber Dimas ist doch ein glücklicher Mensch geworden.

Leila S. Chudori / Pulang (Heimkehr nach Jakarta)

Fazit: Indonesien, fern und geschichtsträchtig.
Dieser Roman lässt uns eintauchen in die Geschichte eines wunderschönen Landes, zeigt aber auf, wie blutig die Vergangenheit seiner Menschen doch war. Die “Säuberungsaktionen” von 1965 färbten die Flüsse rot mit dem Blut der Ermordeten. Die Autorin hat sechs Jahre lang recherchiert und entstanden ist ein Roman, der viel wahrhaftige Geschichte in sich trägt, der aber auch absolut spannend ist und von grosser Freundschaft und Liebe zu erzählen weiss. Keine Langeweile kommt auf beim Lesen, im Gegenteil, Lust auf die herrliche Küche Indonesiens, Mut über das Leben nachzudenken und Courage zu zeigen vielleicht auch. Dieses Jahr wird Indonesien an der Frankfurter Buchmesse Gastland sein.

Meine Wertung: 8/10

Leila S. Chudori / Pulang (Heimkehr nach Jakarta)
Verlag: Weidle, Seiten: 419

Leila S. Chudori / Pulang (Heimkehr nach Jakarta)

Manuela Hofstätter

Manuela Hofstätter

Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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