Lena Gorelik / Null bis unendlich

by Manuela Hofstätter on 25. Februar 2016

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Nils war der ungewöhnliche Schüler, in Zahlen vernarrt und die Literatur liebend, still und recht unauffällig, es war klar, setzte man das neue Mädchen Sanela neben ihn. Sanela kam aus Jugoslawien, der Krieg hat ihr so vieles entrissen, die Eltern, die Heimat, die Sprache. Doch Sanela und Nils finden sofort zueinander, er sieht nicht ihre abstehenden Ohren und sie nicht, dass er ein Aussenseiter ist, sie ziehen alles gemeinsam durch. Die Buchhandlung ist der Ort ihres ersten Treffens ausserhalb der Schule, er lehrt ihr Deutsch, doch sie brauchen nicht viele Worte, denn Sanela bestimmt, wo es lang geht und Nils gehorcht. Nils begibt sich sogar auf eine gefährliche Reise mit Sanela, zurück in ihre Heimat, mitten in den Krieg hinein. Doch dann verliert Nils Sanela und muss sein Leben wieder alleine in die Hand nehmen. Jahre später, Sanela ist Mutter eines kleinen, ganz besonderen Jungen namens Niels-Tito und hat ihr Leben schon mit weiteren Verlusten hingenommen, wie auch dem Tod ihres Mannes, aber da passiert etwas, das sogar sie, die immer Starke, erschüttert. Sie denkt über ihr Leben nach und so denkt sie unweigerlich an Nils, sucht ihn im Netz und staunt, denn er wohnt in derselben Stadt wie sie. Nils hat Sanela nie vergessen, seinen Weg ist er auch gegangen, die Sexualität hat er spät aber ausführlich studiert, mit seinen Fragen manche Liebschaft fast in den Wahnsinn getrieben und auch vertrieben. Als er einen Brief von ihr in den Händen hält, ist dies für ihn wie ein Heimkommen. Bald treffen sie sich und er versteht sich auf Anhieb mit ihrem Sohn. Als wäre es das Normalste auf der Welt, zieht Nils bei Sanela und Niels-Tito ein, sie verhalten sich wie eine Familie und doch ist es weitaus komplizierter. Sanela ist eben immer noch Sanela und auch Nils nicht eben Meister im Gefühleausdrücken, aber doch gilt es, so einiges zu Bereden eigentlich. Sanela steht etwas bevor und so auch der neu zusammengewürfelten Familie und so versuchen sie, auf ihre ureigene Art, die sie schon immer verbunden hat, die Lage zu meistern. Aber Gefühle lassen sich nicht meistern und die ganz grossen Fragen und das Leben stellen eine grosse Herausforderung dar.

Lena Gorelik / Null bis unendlich

Fazit: Sanela und Nils, eine ganz und gar aussergewöhnliche Paarkiste!
Lena Gorelik versteht es aufs Vortrefflichste, ganz spezielle Protagonisten so hautnah an uns heranzuführen, dass wir nur noch staunen können. Wir fühlen mit, wir hoffen bis zum Ende auf die paar grossen Worte, die zwischen Paaren ständig achtlos benutzt werden. Sanela und Nils verweigern sie bis zum Ende, aber ihr Leben und ihr Verhalten sprechen eine eigene, unmissverständliche Sprache. Dieser Roman schenkt uns eine ganz besondere Liebesgeschichte und noch weit darüber hinaus etwas äussert Kostbares. Aber lest bitte selbst!

Meine Wertung: 8/10

Lena Gorelik / Null bis unendlich
Verlag: Rowohlt, Seiten: 304

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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