Li Mollet / und jemand winkt

by Manuela Hofstätter on 5. November 2019

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Experimentierfreudig sprengen hier lyrische Texte jeden Rahmen, haben den Mut. Manche Dinge nur einmal anzustupsen, um anderen hingegen einen ganz exakten Blick zu schenken. Einmal finden wir direkt den Jungen auf dem Schoss seiner Mutter mit seinen Empfindungen an, dann werden wir mal nur herangeführt an Möglichkeiten und deren Auswirkungen und oft wird uns in geschlechterneutraler Position erzählt, die dann da berichtet: Jemand … Die Generationen und ihr Missverstehen füreinander sind ebenso Thema wie die intensiven Farben der Früchte, was war, ist so wichtig wie das, was ist und kommen wird. Schlichte Fakten stehen da auch mal geschrieben und kurz darauf umwerfende Tatsachen, die uns ein Lächeln ins Gesicht zaubern, dazu hier ein Beispiel:

“Können Sie den Schimpansen sehen.
Man soll den Hund nicht gegen das Fell streicheln.
Die Freizeit beginnt elektronisch.”

Wie wäre es … diese Frage wirft Li Mollet immer wieder in ihren Kurz- und Kürzesterzählungen auf. Und Möglichkeiten, Möglichkeiten winken aus diesen Texten, die sich uns an einem Tag sofort offenbaren, während sich andere erst sperren und erst beim mehrfachen Lesen offenbaren. Alles ist in Bewegung, alles somit veränderbar, in Li Mollets Texten und in unseren Gedanken und so wir wollen auch Taten.

Fazit: Mikro-Erzählungen mit Maxi-Wirkung!
Li Mollet ist eine lustvolle Erzählerin, eine philosophische Poetin und zuweilen vielleicht auch eine leise, erzieherische Stimme, die die Möglichkeit von Veränderung anbieten möchte. Wer sich also durch diese Texte zuwinken lässt, kann einiges aufspüren, erleben, mitnehmen, bewundern und geschenkt bekommen.

Meine Wertung: 8/10

Li Mollet / und jemand winkt
Verlag: Ritter Literatur, Seiten: 160

Manuela Hofstätter

Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
Manuela Hofstätter

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