Lilian Loke / Auster und Klinge

by Manuela Hofstätter on 7. Dezember 2018

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Victors Leben war eigentlich gerade gut, einen sehr guten Hotelfachabschluss in der Tasche und eine Frau und kleine Tochter an seiner Seite, konnte er prima träumen vom eigenen Restaurant. Wäre Victor bloss nicht ein Fehler unterlaufen beim Ausüben seines Doppellebens, ein Fehler, der ihm eine Haftzeit beschert und ihm den Rückweg zu seinen beiden Liebsten Frauen im Leben erschwert. Victor hatte von klein auf dieses Talent, seelenruhig etwas mitlaufen zu lassen, er war der Meistereinbrecher, ja, das war er, bis er eben einen Fehler gemacht hat und dabei erwischt worden ist. Nun hat ihm seine Frau die Bedingung gestellt, nie wieder ein krummes Ding zu drehen und zuerst seine Redlichkeit unter Beweis zu stellen, bevor er einfach wieder einziehen könne. Zum Glück stolperte er über den betrunkenen Georg, welchen er zunächst für einen Obdachlosen hielt, doch Georg hat ihn bei sich aufgenommen, sie bilden eine Schicksalsgemeinschaft, eine vorübergehende. Georg ist Künstler, doch einer, der immer in der Krise steckt, der ständig provoziert, der die Menschheit erschüttern will, diese Menschheit, die ausbeutet und zu viel verschlingt. Was Victor noch nicht weiss, ist, dass Georg aus einer milliardenschweren Familie stammt und dieses Erbe, welches ihm das Schlachterimperium beschert, nicht haben will. Georg fand es schon als kleiner Junge absolut grausam zu sehen, wie Massenschlachtungen an der Tagesordnung waren, er hasste seine Familie und wie diese ihr Geld verdient, so ging er seinen künstlerischen Weg, sehr zum Ärger der Familie. Als Victor die Wahrheit erfährt, bittet er seinen neuen Freund um Geld, er will seinen Traum vom eigenen Restaurant verwirklichen und seine Familie zurückerobern. Georg geht tatsächlich auf die Sache ein, hat allerdings eine klitzekleine Bedingung, die er Victor stellt, er will von diesem nämlich die Kunst des Einbrechens erlernen. Au Backe, denkt sich Victor sofort, aber als Georg ihm noch versichert, er wolle gar nichts stehlen, eher im Gegenteil, er werde etwas in die Häuser tun, da lässt sich Victor auf den Deal ein. Was Georg macht, das ist schon bald Stadtgespräch und Victor bekommt es mit der Angst zu tun, kann das gut gehen?

Fazit: Der Meistereinbrecher und der reiche Künstler mischen die Stadt auf!
Lilian Loke schreibt ungemein frech und voller Ironie, während man einerseits eine Gaunerkomödie liest beinahe, merkt man rasch, wie gezielt und treffsicher die Kritik an der Gesellschaft platziert ist. Victor wie auch Georg, die haben mich geärgert und zugleich doch gänzlich erobert mit ihrem Charme, da treffen zwei zusammen, die eigentlich unterschiedlicher nicht sein könnten und das sorgt für viel Aufregung. Dieser Roman ist äusserst vielschichtig, ich mag das und finde ihn überaus gelungen, beste Unterhaltung garantiert!

Meine Wertung: 8/10

Lilian Loke / Auster und Klinge
Verlag: C.H. Beck, Seiten: 313

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