Lily King / Euphoria

by Manuela Hofstätter on 20. Januar 2016

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Nell und ihr Mann Fen haben sich an Bord eines Schiffes kennen und lieben gelernt, hoch erfreut erkannten sie damals, dass sie denselben Beruf, dieselbe Berufung haben, sie sind beide mit Leib und Seele Ethnologen amerikanischer Abstammung. Nun stehen sie am Anfang der 1930er Jahre in Neuguinea bei ihrer Arbeit mit der Erforschung der Stämme am Sepikfluss ein wenig an. Jahrelang schon erforschen sie diese Menschen und doch bringt diese aufwendige Arbeit nichts zutage, was sich veröffentlichen lässt und ihrem Anspruch genügt. Gerade Nell Stone ist eine Berühmtheit, sie arbeitet äusserst präzise und hofft auf etwas wahrhaftig Neues. Fens Mann leidet still, seine Leidenschaft liegt eher im praktischen Bereich, er mischt sich gerne mit den Stämmen, erlebt und arbeitet mit diesen Menschen, sein Wissen aber in Worte aufs Papier zu bannen und exaktes Arbeiten fällt ihm schwerer. Doch Fen merkt, sein männliches Ego ist angekratzt, zu gerne würde er einen Durchbruch erleben, um sich zu beweisen, dass er genau so viel auf dem Kasten hat wie seine Frau, zudem klappt es zwischen ihnen noch nicht mit dem Kinderkriegen, er spürt aber, wie Nell sich nach dem Muttersein sehnt. Das Glück ist dem Ethnologenpaar hold, sie treffen auf einen legendären englischen Kollegen Andrew Bankson. Bankson kennt das Gebiet noch weitaus besser und lebt schon geraume Zeit länger vor Ort, er bringt die Wende ins Schaffen von Nell und Fen, er führt sie zum entlegenen Stamm der Tam. Die drei Forscher blühen untereinander regelrecht auf, euphorisch diskutieren sie, bewundern einander und entdecken tatsächlich Neues. Aber zwischen Nell und Adrews flammt eine Sehnsucht auf, sie lieben sich und wissen, dass das nicht sein kann. Der Stamm der Tam ist wirklich aussergewöhnlich, denn bei ihnen haben die Frauen das Sagen und ganz langsam erobert Nell deren Vertrauen und erhält Einsicht in geheimste Riten. Fen hat derweil ein anderes Projekt ins Auge gefasst, ein gefährliches zugleich, ob das gut gehen kann? Bankson hat sich verwirrt zurückgezogen, seine Gedanken sind bei Nell, wie konnte alles nur so ausser Rand und Band geraten. Die Tam ihrerseits haben nun auch etwas zum Beobachten, aber sie wissen ohnehin über die Liebe Bescheid, schliesslich sind ja die Frauen an der Macht und die wissen ganz genau, die Liebe, die wohnt im Bauch der Menschen!

Lily King / Euphoria

Fazit: Aus Zeiten, in welchen man noch wahre Entdeckungen machte!
Die Autorin lehnt ihren Roman den tatsächlichen Figuren der Ethnologen Margaret Mead und Reo Fortune sowie Gregory Bateson an. Sie entwirft, inspiriert von realen Eckdaten dieser Forscher, einen fiktiven Roman, der uns aber wirklich zu packen vermag. Allein schon diese Zeit, als man noch Menschen erforschen konnte, diese Arbeit mit den Stämmen, insbesondere den Tam (wenn auch fiktiver Stamm) versetzt uns in eine neugierige, erforscherische Stimmung, ja Euphorie! Das Thema Liebe hingegen, dies lässt sich bis heute nicht schlüssig erforschen, dafür aber in allen Variationen immer wieder neu erleben, so auch in diesem grossen Roman!

Meine Wertung: 8/10

Lily King / Euphoria
Verlag: C.H.Beck, Seiten: 262

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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