Linda Benedikt / Der Rest ihres Lebens

by Manuela Hofstätter on 20. August 2015

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Es ist ein Sommer in London, der mit Rekordtemperaturen einhergeht. Dorothy nimmt es gelassen hin, heute zieht ein junges Paar in die untere Wohnung ihres Hauses ein, vor einiger Zeit war es ein rascher Auszug ihres Mannes, seither ruhte das Haus. Dorothys Ruhe bekommt jäh einen Riss, denn die Frau, die da strahlend vor dem Umzugswagen steht, ist hochschwanger. Keine Kinder im Haus, das war doch Dorothys Devise. Das junge Paar aber ist so charmant, fröhlich und liebevoll und diese schwangere Frau geht mit einer Wärme auf ihre Umgebung los, Dorothy kann sie nur mögen. Bald darauf geht ein Sturm der Erinnerungen auf Dorothy los, die Geburt ihres Sohnes und ihrer Tochter steht ihr wieder klar vor Augen, das tief empfundene Glücksgefühl, als sie an den Babyköpfen den unverwechselbaren Geruch ihrer Kinder einsog. Doch jetzt ist ihr Sohn ihr so fremd, sie empfindet seinen Charakter beschämend angepasst, seine Frau ist ihr ein Gräuel, die Enkelkinder mag sie auch nicht, sie könnte gerne auf all diese Menschen verzichten. Ihre Tochter, eine Lebefrau, sie ist Dorothy zu stark, auch zu ihr findet sie keinen Zugang mehr. Die Geschichte mit ihrem Mann, diese bereitet Dorothy aber am meisten Mühe. Jung waren sie, verliebt, Dorothy hatte einen Literaturpreis gewonnen mit einer Geschichte, Literatur ihre Leidenschaft, sie wollte schreiben, es kam anders, es kamen die Kinder und es war eigentlich alles gut. Doch er hat sie verlassen nach vielen Jahren, keine Geliebte schien der Grund zu sein und auch jetzt trifft sie auf ihn an Familienfeiern, ohne neue Frau an seiner Seite empfindet sie ihr persönliches Versagen noch weitaus belastender. Dorothy blickt zurück, sie bricht zusammen, sie steht auf und geht wieder voran, dem Rest ihres Lebens entgegen.

Linda Benedikt / Der Rest ihres Lebens

Fazit: Von der Vergänglichkeit des Glücks, hin zur Ruhe und zum Ende.
Dieser Roman ist erschütternd auf eine klare Art und Weise, Dorothy ist ein eher kühl denkender Mensch und tappt dann grauenvoll in die Falle des “Was wäre, wenn …?”. Beinahe sehen wir nur das Scheitern ihres Lebensglücks, doch dann greift zum Glück doch des Alters Weisheit und Gelassenheit durch, und die Protagonistin findet sich wieder und geht ihren Weg. Beeindruckend geschrieben, die Angst vor dem Lebensende ehrlich im Fokus und dann am Ende einfach Weisheit.

Meine Wertung: 8/10

Linda Benedikt / Der Rest ihres Lebens
Verlag: Arche, Seiten: 240

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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