Lukas Hartmann / Räuberleben

by Manuela Hofstätter on 23. Februar 2012

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Unter falschem Namen und als Jäger stellt er sich dar der berühmt berüchtigte Räuber Hannikel, in den Wäldern des Graubündens wähnt er sich und seine Sippe in Sicherheit. In Sulz nämlich sitzt der Oberamtmann Schäffer, er hat den Ruf des besten Räuberjägers weit und breit, sein Ruf geht weit über die Landesgrenzen hinaus und er machte Hannikel und den Seinen das Leben im Schwarzwald und Elsass immer beschwerlicher. Nach einem Ehrenmord ist Schäffer den Räubern dicht auf der Spur und verfügt sogar über einen Zeugen, einen abtrünnig gewordenen Sinti aus Hannikels Bande, welcher dann viele Räuber identifiziert. Schäffer reist nach Chur, Jäger haben die Bande dingfest gemacht und die Stadt ist bereit sie an Sulz aus zu liefern. Natürlich entschädigt der Herzog Karl Eugen den Aufwand, eigentlich ist ihm ja der Elan seines Oberamtmanns in Sulz gar zu extrem und auch der folgende Prozess uns dessen Ausgang liegen ihm schon auf dem Magen. Des Herzogs Frau, Franziska, sie nimmt immer sanften Einfluss auf seine Geschäfte, er will ihr das eigentlich verbieten, aber er kann ihr so schwer widerstehen. In Sulz brechen harte Zeiten an für den Schreiber Schäffers, Wilhelm Grau muss stundenlange Protokolle aufschreiben und wird so in den Fall und die Geschichte des Räubers Hannikel involviert. Graus Leben ist einsam geworden, seine Familie wurde ihm durch eine Krankheit genommen, die überlebende Tochter wächst nicht bei ihm auf und hat sich völlig von ihm entfremdet. Trost findet Grau einzig und alleine in seiner Leidenschaft des Erforschens von Insekten und der daraus entstandenen Brieffreundschaft zu einem anderen Forscher. Diesem Brieffreund vertraut Grau auch einiges an, auch seine Gefühle für den Sohn des Räubers Hannikel, diesen kleinen, dermassen scheuen Jungen, welchen er so bedauert und welchem er so gerne helfen würde. Aber der Prozess nimmt seinen Lauf und Graus Gedanken auch, er kann nicht nur die bösen, raubenden und mordenden Ungeheuer sehen in den Angeklagten. Hannikel und ein paar seiner vertrautesten Männer werden gehängt, vor den Augen ihrer Familien und vor grosser Menschenschar. Graus Leben nimmt seinen Lauf, doch immer und immer wieder denkt er an Hannikels Sohn und er kommt nicht umhin sich zu fragen, was den Menschen denn eigentlich vom Getier unterscheidet.

Fazit: Lustig ist das Zigeunerleben? Nicht für Räuber Hannikel und die seinen.
Ende 18. Jahrhunderts, ein Räuber und seine Bande wird gejagt, gut und böse soll klar dargestellt sein, aber Lukas Hartmann gelingt es, die Geschichte so lebendig werden zu lassen, dass die Protagonisten alle auch Suchende sind und sich fragen, ob es richtig sei ihr Handeln. Da presst der Räuber Hannikel, den Tod unmittelbar vor sich, innbrünstig ein Kruzifix an sich und ein Oberamtmann musste die Rührung verstecken als er die wahrhaftige Liebe zwischen Hannikel und Frau und Kindern sah… Ein faszinierender historischer Roman, Fakten verwoben zu einer glaubhaften, bunten und intensiven Geschichte. (Dass man am Rande sogar noch von Schiller hört, dass hat mich ganz besonders beglückt!)

Meine Wertung: 7/10

Lukas Hartmann / Räuberleben
Verlag: Diogenes, Seiten: 346

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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