Lukas Holliger / Das kürzere Leben des Klaus Halm

by Manuela Hofstätter on 26. September 2017

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Nominiert für den Schweizer Buchpreis 2017

Klaus Halm lebt mit seiner Frau Viola und seinem Sohn Philip an der Erlenstrasse in Basel ein beschauliches Leben. Er, Klaus Halm, war derjenige, der dem strengen Vater Violas gepasst hat und so nahm alles zügig seinen Lauf. Halm selbst war ja nur in die Fussstapfen seines geliebten Vaters geschlüpft, welcher leider schon verstorben ist, er aber konnte die Liebe zu den Papeterieartikeln nie so zelebrieren, wie dies Halm Senior gekonnt hat. Viola war die Papeterie ihres Mannes ohnehin leid, sie riet ihm schon lange zum Verkauf. Doch dann passiert das, was sich Halm nie hätte vorstellen können, Yvonne tritt in sein Leben und die Rue de l’Abattoir, der Schlachthof, in welchem sie wohnt. Während Halm also in schöner Regelmässigkeit das Land und die Seite des Rheinufers wechselt, um gleichzeitig auch die Frau zu wechseln, ahnt er nicht, dass ihm ein Schatten und darum dann verhängnisvollerweise auch Yvonne, ständig folgt. Der Schatten, er folgt Halm schon seit einiger Zeit, schreibt in sein Heft exakte Aufzeichnungen zu den Personen, welche ihn faszinieren und welche er in der Folge dann ebenfalls verfolgt. Als Arbeitsloser braucht man eine Beschäftigung und Halm ist eine ergiebige Beschäftigung, Halm hat alles, was er, der Einsame, nicht hat, und noch mehr hat er, dieser Halm. Auch Yvonne muss noch Halm gehören, Yvonne, in die er sich so sehr verliebt hat. Als es aber zwischen Halm und Yvonne zu einem Zerwürfnis kommt, sieht der Einsame seine Chance kommen, er taucht mutig in Yvonnes Leben auf und gesteht ihr seine Liebe. Halm leidet unter dem Bruch mit Yvonne, dabei wollte er diese Affäre doch eigentlich beenden, die Gefahr bannen, die sein so geordnetes und gutes Leben bedrohen konnte. Aber er ist wie ein Süchtiger, es zieht ihn ans andere Ufer des Rheins und er muss eifersüchtig feststellen, es gibt tatsächlich einen Anderen in Yvonnes Leben. Die Dinge geraten völlig durcheinander, Halm ringt um Yvonne wie um sein altes Leben, doch da ist ein Anderer und dieser Andere ringt gleichermassen mit seinem Glück. Halm verliert den Boden, als er gewisse Tatsachen vernimmt, taucht ab, Viola sucht ihn und er selbst sucht Auswege und Ausreden, um wieder heimkehren zu können zu seiner Familie. Aber Nichts ist mehr so, wie Halm es angenommen hat, er fragt sich sogar, wer er ist und wer dieser Andere?

Fazit: Wenn alles was ist, nicht mehr so ist, wie es ist …
… dann kann es sein, dass man im Roman von Lukas Holliger abgetaucht ist, verschwunden sozusagen und man zappelt wie ein Fisch im Rhein. Mit einer ungeheueren Raffinesse beschreibt Holliger das Leben seiner Protagonisten und deren Verworrenheit, nicht nur die beiden männlichen Protagonisten werden immer mehr vertauscht in ihrem Leben und Lieben, nein, auch die Vaterschaftsfrage lässt unser Leserhirn nicht durchatmen, und wenn dann die weiblichen Protagonistinnen auch noch aufdrehen, dann blicken wir kaum mehr durch. Das ist ein reizvoller Roman voller unglaublicher Wendungen, Irrungen und voller intensiver Lebensthemen der Paare, Eltern und Einsamen. Nicht zuletzt fasziniert auch der Schauplatz Dreiländereck und die Geschichte des Rheins dort. Ein absolut verblüffender Roman!

Meine Wertung: 9/10

Lukas Holliger / Das kürzere Leben des Klaus Halm
Verlag: Zytglogge, Seiten: 300

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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