Manu Causse / Die grüne Ente

by Manuela Hofstätter on 19. Oktober 2017

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Monsieur Dubon ist gestorben. Zurück bleibt sein Haus mit seiner Katze und der gut ausgerüsteten Autowerkstatt samt der grünen Ente, einem 2CV6 Baujahr 1973. Die Krankenschwester verlässt das Haus mit den Worten “Auf Wiedersehen, Monsieur Dubon!”. Monsieur Dubon hatte gute Gründe, diese Ente nach dem tragischen Unfall, bei welchem sein Bruder und dessen Frau das Leben verloren hatten, wieder zusammenzuflicken, es sollte eine Überraschung für den Neffen werden, der damals seine Eltern so früh verloren hat. Eine Tante und deren Mann hatten damals für den Jungen gesorgt, sie hatten eigene und auch Pflegekinder grossgezogen, so war das ganz logisch dass er, der einsame Onkel, kaum Kontakt zum Jungen hatte. Eric Dubon ist erstaunt, als er hört, dass er Alleinerbe seines Onkels ist, er hat in seinem Leben gerade genug Probleme, seine Exfrau kontrolliert mit einer Eiseskälte das Besuchsrecht und darum muss er sich eigentlich ganz genau an die Zeiten halten, wenn er seinen Kleinen in der Klinik besucht. Ja, es war vielleicht der Grund, dass ihre Liebe in Schieflage kam, ein Kind, das keine Zeit zu empfinden scheint, das nicht spricht, in welchem ein ganzer Ozean zu sein scheint. Eric hatte grossartige Zeiten als Künstler, seine Comics waren allen bekannt, doch nun zweifelt er vieles an. Er reist zum Haus des Onkels um die Ente zu sehen und hört dazu die Worte des Onkels, das sei ein Schock, nie sei er Auto gefahren in seinem Leben, er machte lediglich den Ausweis, weil sich das so gehöre und da steht sie nun die Ente, in welcher seine Eltern das Leben verloren haben und sie soll ihm eine gute Erinnerung sein. Die Maklerin staunt nicht schlecht, als sie vernimmt, dass Eric das Haus behalten will und sogleich darin bleibt. Wenn schon Neuanfang, dann richtig, er steigt in seine Ente und fährt zu seinem Sohn. Heute wird sein Sohn nicht die Karpfen anstarren, heute darf er die Ente sehen, aber der Kleine sieht die Ente nicht nur, er liebt sie und so fahren Vater und Sohn schnurstracks auf und davon. Er ist ein guter Gendarm, wenn auch er lieber im Wald Pilze sucht und sammelt, oh, wie er den Geruch liebt, aber er gilt auch als Held, seit er einmal zwei Bankräuber ohne Waffe niedergestreckt hat, das brachte ihm auch eine schlimme Verletzung ein und er muss es seither ruhiger angehen lassen. Oft hat er es jetzt mit der geschiedenen Nervensäge zu tun, welche ihre Hände cremt und ihn fortwährend davon überzeugen will, dass ihr Exmann sich nicht richtig verhalte. Er kann den Mann verstehen, er würde diese Frau keinen einzigen Tag aushalten, aber dann wird der Kleine in der Klinik vermisst und der Gendarm muss sich mit dessen Vater auseinandersetzen, unwillig anfänglich, denn er kann ihn immer noch verstehen, doch plötzlich hat er wirklich Angst um den Jungen und dies aus triftigen Gründen. Er nimmt die Verfolgung höchstpersönlich auf. Vater und Sohn erleben eine unbeschreibliche Fahrt, das Glück ist an ihrer Seite, denn plötzlich ist der Parkplatz, wo sie eine Rast einlegen, voller Enten, ein solches Treffen bietet ihnen die beste Tarnung der Welt. Der Kleine kann reden, er spielt sogar mit anderen Kindern, Wunder geschehen. Die Nächte allerdings sind kalt, doch schliesslich finden sie eine Auberge, eine ganz versteckte, fast hätten sie die Wegweiser nicht entdeckt. Erneut treffen Vater und Sohn auf ganz besondere Menschen, sie erhalten Hilfe, obwohl sie zur Fahndung ausgeschrieben sind. Wird diese Reise gut enden, oder ist Eric doch der schwer gestörte Depressive, der sich und seinen Sohn in den Tod reissen will, wie der Gendarm mittlerweile auch glaubt? Die Katze Sphinx gibt ständig ihren Senf zur Geschichte ab und streitet mit dem Geist des alten Mannes in der Ente, auch sie wissen nicht, wie es endet. Oder etwa doch?

Fazit: Eine mutige Reise.
Eine grüne Ente, der Geist eines Onkels und die Kommentare der Katze Sphinx begleiten den ganz eigenen Ton in diesem Roman. Schnell hat man sich an diesen Ton gewöhnt, liebt die Protagonisten und hofft und bangt mit, ob es denn nun gut kommt oder es sich doch zur Tragödie entwickelt. Einsamkeit und Freundschaft, Vertrauen und grosse Wunder bewirken Unglaubliches und doch steht es so wahrhaftig in und zwischen den Zeilen. Ein Roman voller Zwischentöne, auch zwischen Unheil und Glück! Ein Roman aus dem Leben!

Meine Wertung: 7/10

Manu Causse / Die grüne Ente
aus dem Französischen übersetzt von Alexandra Baisch
Verlag: Droemer, Seiten: 304

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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