Margrit Schriber / Glänzende Aussichten

by Manuela Hofstätter on 10. März 2018

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In den Achtzigerjahren, eine kleine Tankstelle mit kleinem Shop und Imbiss, Haus und Werkstatt. Pia hat das Benzin im Blut, sie hat die Tankstelle ihres Vaters übernommen, weil das einfach sonnenklar war, was sollte sie auch anderes tun, als das, was sie konnte. Hinter der Tankstelle eine grosse Weide, Pias Tage gleichen einem dem anderen, ihr liebster Begleiter, der Wackelkopfhund Waldi, wacht über ihr kleines Reich. Sie freut sich, wenn abends ihre glamourös schöne Freundin Luisa vorbeischaut und das tut diese eigentlich jeden Abend. Luisa ist zudem eine gute Stammkundin. Luisa arbeitet in der Stadt, erzählt Pia von ihren Tagen und von den neusten Geschichten ihres Lovers. Luisa ist nämlich die Geliebte des Baumeisters Holzer, welcher seit Jahren schon verheiratet ist und niemals gedenkt seine Frau zu verlassen, welche ihrerseits das Täubchen Luisa an der Seite ihres Gatten duldet. Holzer ist natürlich weitaus älter als Luisa, aber so ein wohlhabender Lover hat auch seine Vorteile. Neben Pias Tankstelle ist Gigi mit seinen Gebrauchtwagen, ein Muskelpaket und Geschäftsfreund erster Güte für Pia, geht es Gigi gut, geht es Pia gut und umgekehrt, so lautet seine Devise. Aber dann gibt es da auch noch Luc in Pias Leben, er war ihre Liebe und jetzt ist er ein roher, unangenehmer Typ, der immer noch Gefühle für sie hat. Sie, Pia, sei sein Igelchen, er verspottet sie, tankt seine Karre gratis bei ihr auf und spielt sich auch als Tankwart auf, der er nie war und nie sein soll. Pia muss sich täglich ihrem Alltag stellen und dieser ist hart, die Kunden bleiben vermehrt aus und sie weiss, sie muss sich etwas einfallen lassen. Pia beschliesst, eine grosse Hochleistungsautowaschanlage zu bauen und so ihr Geschäft zu beleben, Gigi allerdings hätte gerne andere Pläne umgesetzt und es ist auch an der Zeit, sich gegen Luc durchzusetzen. Italiener kommen und bauen die Anlage auf, es ist eine schöne, belebte Zeit für Pia, kürzlich ist sie auch ein einziges Mal mit Lisa und einem Mann in ihrem Alter ausgegangen. Sie waren ein lustiges Trio beim Festen und so sind sie ein noch weitaus lustigeres Trio bei der Einweihung der Waschanlage, ein erotisches Trio, das für Gesprächsstoff sorgt …

Fazit: Benzingeruch im Haar, eine Tankstellenwartin meistert ihren Alltag!
Margrit Schriber weiss, worüber sie schreibt, wenn ihre Protagonistin eine Tankstelle betreibt und mit der Zeit gehen muss, denn sie tat unter vielem anderen dasselbe in ihrer bewegten Biografie. Eine faszinierende Geschichte über die Achtzigerjahre in der Schweiz, das Leben einer Frau in einer Männerwelt und nicht zuletzt ein Roman über die hemmungslose Liebe und die Hoffnung auf ein besseres Leben.

Meine Wertung: 7/10

Margrit Schriber / Glänzende Aussichten
Verlag: Nagel & Kimche, Seiten: 176

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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