Marie Matisek / Ein Sommer wie Limoneneis

by Manuela Hofstätter on 2. Mai 2018

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Marco war ganz und gar Deutscher geworden, seine italienischen Wurzeln vergass er gerne, seit seine geliebte Mutter viel zu früh verstorben ist. In Deutschland hat er sich in Angelika verliebt, heute ist er ein erfolgreicher Anwalt, er kann Geli und seinen Kindern Luis (11) und Sabrina (16) ein feudales Leben bieten. Ein grosses Haus in bester Wohnlage, Sport, ein eigenes Pferd, teure Klubferien, an welchen er schon seit geraumer Zeit nicht mehr teilnimmt, Marco fährt Porsche und sein Leben ist seine Arbeit. Gewiss, in letzter Zeit merkt er manchmal, dass es ihm nicht so gut geht, der viele Kaffee schlägt ihm auf den Magen und sein Herz schlägt ab und zu im Galopp. Eines Tages ist Geli weg, ein Brief teilt ihm mit, dass sie mit Freundinnen in die Ferien gereist ist und zudem die Scheidung verlangt, ausgerechnet an diesem Tag hat Marco erfahren, dass er in die Chefposition befördert wird und fortan gleichberechtigt mit seinem bisherigen Chef, welcher ein wahres Scheusal und ein Choleriker erster Güte ist, agieren soll. Marco ist total überfordert mit allem und nun gilt es noch, die Kinder zu betreuen. Marco bricht zusammen und landet beim Arzt, welcher ihn unverzüglich krankschreibt und mahnt, sich Ruhe zu gönnen. Als Vater muss Marco feststellen, hat er keine Ahnung mehr von seinen Kindern, und als er einen Abend mit Chips und TV mit Sabrina und Luis verbringt, merkt er, wie gut dies allen tut. Luis ist noch eine Woche im Sportlager, da nutzt Sabrina die Gelegenheit endlich auch einmal sturmfreie Tage auszuhandeln und schickt ihren Vater zur Erholung in seine Heimat zu seinem Vater an die Amalfiküste. Vater Raffaele freut sich, als sein Sohn eintrifft und ist dankbar, allerdings dachte er, Marco sei gekommen, um ihm zu helfen, denn der alte Herr des Zitronenhains hat das Bein gebrochen, ausgerechnet jetzt in der Erntezeit. Marco fühlt sich sofort in seine Kindheit zurückversetzt, es duftet alles wie früher und hier herrscht einfach ein anderes Lebensgefühl. Trotz der Probleme seines Vaters ist hier alles besser, Marco versteht sich wie noch nie mit seinem Vater, er trifft die besten Freunde seiner Kindheit wieder und ist dankbar, dass sie sofort wieder Freunde sind, als wären nicht Jahrzehnte vergangen. Dann trifft er auch auf Lisabetta, seine grosse Jugendliebe, sie ist immer noch eine umwerfende Frau und Marco verschlägt es die Sprache, als er sie sieht. Lisabetta hat auch geheiratet und hat zwei Söhne, doch in Marcos Augen hat sie ausgerechnet den grössten Idioten zum Mann genommen, warum nur? Schliesslich kommen auch Marcos Kinder noch für zwei Wochen nach Italien, sie fühlen sich sofort wohl bei ihrem Grossvater, lernen italienisch und staunen genauso wie Marco, dass dieser heimlich deutsch gelernt hat. Es werden betörend schöne Tage, solche die aufzeigen, was wirklich wichtig ist im Leben. La famiglia eben und die Zitronen der Familie Pantanella und die Freundschaft. Plötzlich weiss Marco ganz genau, was er will, die Ruhe bewahren, es kommt, wie es kommt und es kommt gut.

Fazit: 246 Stufen durch den Zitronenhain an der Amalfiküste …
… und als der Protagonist Marco diese Stufen wieder unter seine Füsse nimmt, ist das der Anfang seines neuen Lebens. Dieser Roman ist die perfekte Lektüre für schöne Lesestunden an der Sonne, der Duft von Zitronen, Kräutern und der Sound einer italienischen Kindheit mit Gianna Nannini, Eros und Zucchero lassen uns mit Marco in seine Jugendzeit zurückblicken. Heute ist so manches anders geworden, vieles aber immer noch genau gleich geblieben zum Glück und so kann einer, der ins Burn-out geraten ist, zurück ins wahre Leben finden und zurück zu seinen Wurzeln. An Amore fehlt es in dem Roman nicht und auch nicht an einer gewissen Dramatik und dem berührenden Zusammenfinden von Vater und Sohn.

Meine Wertung: 8/10

Marie Matisek / Ein Sommer wie Limoneneis
Verlag: Knaur, Seiten: 302

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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