Marjaleena Lembcke / Wir bleiben nicht lange

by Manuela Hofstätter on 15. August 2016

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Sisko und Mirja sind Schwestern und in Finnland aufgewachsen. Nun lebt Sisko mit ihrer Familie in England und Mirja in Deutschland. Sisko und Mirja haben früh schon den Tod kennengelernt und wissen, was Verlust und Trauer bedeuten. Aber nun ist es Sisko, die an Krebs erkrankt ist. Sie blickt ihren letzten Tagen entgegen und ist dankbar, dass Mirja aus Deutschland anreist, um ihr beizustehen. Schmerzmittel und Alkohol machen die Tage für Sisko erträglich und die Gespräche über ihre Kindheit mit der Schwester, über intensive Momente im Leben, ebenso wie über unmittelbare Belanglosigkeiten, welche bei genauerer Betrachtung plötzlich an Wichtigkeit gewinnen. Wie etwa Siskos Sauna aus der Heimat, wer soll in den Genuss kommen, diese zu haben? Selbst im Angesicht des Todes bleiben Sisko und Mirja sich selber treu, wenngleich die Angst und das Unwissen über das Kommende sie verunsichert, das altvertraute ihrer Verbindung gibt ihnen Halt. Der Humor rettet manche Situation, etwa wenn Sisko mehr Morphium verlangt und die Krankenschwester über den schwierigen Entzug davon referiert und Sisko entgegnet: “Den Entzug mache ich im Grab”. Oder als Sisko für ein paar Tage heimkehren darf, findet sie dies immerhin besser, als das Herumhängen im Spital und das Warten, bis sie: “… den nicht vorhandenen Geist aufgebe”. Der Tod kommt, doch er kommt dann, wann er will und die Schwestern meistern es, diesem Unbekannten auf ihre ureigene Art entgegenzutreten.

Marjaleena Lembcke / Wir bleiben nicht lange

Fazit: Zwei Schwestern und der Tod
Ein Leben lang verzetteln und vergeuden wir vielleicht auch unsere Zeit und irgendwann einmal schlägt sie, unsere letzte Stunde. Dies ist die einzige sichere Konstante eines jeden Lebens und doch wissen wir einfach nicht mit ihr umzugehen, bis sie uns dazu auffordert. Diese Aufforderung erleben wir mit zwei Schwestern, in einer berührenden Nähe, in einer Realität, die beeindruckt. Ein seltsames Buch, so seltsam wie eben der Tod doch für uns ist und bleibt.

Meine Wertung: 7/10

Marjaleena Lembcke / Wir bleiben nicht lange
Verlag: Nagel & Kimche, Seiten: 192

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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