Markus Orths / Max

by Manuela Hofstätter on 13. Januar 2018

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Lou Straus und Max Ernst liebten sich, heirateten und bekamen einen Sohn, Jimmy. So innig diese Liebe begann, sie endet wegen einer anderen Frau und zum Glück ist Lou so stark und unabhängig, kann sich fangen, weiterleben und arbeiten. Jimmy ist zwei Jahre alt, als der Vater Köln und die Familie verlässt um nach Frankreich, ins Haus seines neuen Freundes Paul Éluard und dessen Frau Gala zu ziehen. Während Lous Leben durch ihre Selbstständigkeit erfüllt weiterläuft, wird für sie einzig der Nationalsozialismus eine Gefahr, sie ist Jüdin, und als sie als geschätzte Kunsthistorikerin aufgrund ihrer Herkunft keine Arbeit mehr bekommen soll, begreift sie endgültig den Ernst ihrer Lage.
Die Ménage-à-trois gefällt nicht allen, doch lange Zeit ist die kreative Kraft zwischen Gala, Paul und Max funkelnd und grandios. Dann begegnet Max der deutlich jüngeren Marie-Berthe, die Mühe hat, ihre Eifersucht im Zaum halten zu können und dazu auch Schuldgefühle. Ihr obsessives Sexleben mit Max kollidiert mit ihrer streng katholischen Religion. Max flüchtet schliesslich und landet direkt in den Armen der unvergleichlichen Leonora Carrington. Leonora und Max erleben zusammen eine intensive Zeit, eine lange Schaffensphase verbindet sie zusätzlich während ihrer Zeit in Südfrankreich, doch dann trennt sie der Krieg und sie suchen einander verzweifelt. Leonora landet in einer psychiatrischen Klinik in Spanien, wo sie Ihren Verstand verliert und wieder findet, doch als sie und Max sich dann doch endlich wieder begegnen, ist Nichts mehr, wie es war. Max wurde von Peggy Guggenheim geholfen, sie verhalf vielen Künstlern zur Flucht und viele dieser hatte sie in ihrem Bett. Peggy und Max, das war ein Paar, das ebenso viel gestritten hat, wie es Sex hatte, Max lernte plötzlich den Luxus im Leben kennen, gab Geld aus, ihres, aber richtig glücklich wurden sie beide nicht miteinander. Als Peggy Max an Dorothea Tanning verliert, lebt sie ihre Wut offen und ehrlich aus, schreibt darüber sogar in ihrer Biografie. Max aber hat den Platz gefunden, an welchem er zu Ruhe kommen kann, bei Dorothea schätzt er sogar deren Häuslichkeit und Kochkunst, findet aber auch in künstlerischer Hinsicht den Austausch, welchen er braucht. Die Freundschaft von Max zu Paul hat das ganze Leben lang gehalten, auch die Achtung zu all seinen Frauen in gewisser Art und Weise, Max litt enorm, als es auch mit vereinten Kräften nicht gelang, Lou in die Staaten und in Sicherheit zu bekommen. Dieses Leben eines vielseitigen Künstlers war immer extrem intensiv, stets suchend, nie selbstverliebt und absolut faszinierend, vom DADA-Max zu den Surrealisten über einen liebenden Menschen, der immer alles gab und alles nahm.

Photo: Elizabeth “Lee” Miller – Leonora Carrington mit Max Ernst und Paul Éluard, 1939

Fazit: Kunst, die aufbegehrt. Surrealismus. Das Leben und Lieben von Max Ernst.
Max Ernst war ein äusserst vielseitiger Künstler, hier dürfen wir ihm nahekommen, ihm, seinem Wirken und Leben und seinen Frauen, ganze sechs Frauen waren es, die mit Max Ernst eine intensive Beziehung oder Ehe geführt haben und ihnen sind auch die Kapitel im Buch gewidmet. Es sind allesamt starke, äussert faszinierende und unterschiedliche Frauen, die an der Seite des Künstlers lebten. Aber wir begegnen auch weiteren prägenden Künstlern dieser Zeit und verstehen plötzlich so viel mehr über den Dadaismus und die Surrealisten. Dieses Buch hat einen unglaublichen Sog, wir sind mittendrin im Leben seiner Figuren, lernen jede Menge, lachen, lieben, bangen, hoffen und erschaffen auch einen neuen Zugang zur Kunst. Markus Orths hat uns ein Stück Kunstgeschichte geschenkt und einen Roman, welchen wir nicht wieder vergessen werden, ein wahres Kunstwerk ist ihm da gelungen! Es lebe die Kunst, ein Hoch auf die Surrealisten, ihre Freundschaften, ihr Schaffen und Lieben in einem bewegten Jahrhundert.

Meine Wertung: 9/10

Markus Orths / Max
Verlag: Hanser, Seiten: 576

Manuela Hofstätter

Manuela Hofstätter

Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
Manuela Hofstätter
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