Martin R. Dean / Verbeugung vor Spiegeln

by Manuela Hofstätter on 20. Oktober 2015

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Nominiert für den Schweizer Buchpreis 2015

Diese Texte, Betrachtungen oder auch dozierende Worte umkreisen vielerlei Themen, Bekanntes und Persönliches wird vermischt. Tiere etwa waren dem Autor immer schon unheimlich, kein Wunder, wenn eben das allabendlich gefütterte und gepflegte Kaninchen plötzlich als Sonntagsbraten aufgetischt wird. Oprah Winfreys misslungener Einkauf in der Schweiz wird ebenso auseinander gelegt wie die Episode über die Frage, ob der damals zur Wahl gestandene Barack Obama auch schwarz genug sei. Aber der Schweizer Autor mit zwei Vätern blickt auch in den Spiegel, besonders das ist interessant, schliesslich geben die indischen Spuren einen herrlichen Schuss Exotisches ab. Die Väter, der leibliche wie der spätere Stiefvater stammten aus ganz unterschiedlichen Kasten und lebten oder erlebten die Schweiz völlig unterschiedlich. Der Stiefvater fotografierte die Berge und die Natur fortwährend, war fasziniert von der Landschaft der Schweiz. Ansonsten hat er sich ganz und gar in den Dienst der Medizin und somit seiner Patienten gestellt, es war ihm das scheinbar einzig Wichtige. Ein stiller, helfender und heilender Mensch. Auch grosse Literaten wie etwa Thomas Mann werden durchs Werk und Leben angeschaut. Rassismus wird infrage gestellt, aber auch die moderne Welt erörtert Dean, so natürlich auch das Internet. Wertend oder betrachtend?

Martin R. Dean / Verbeugung vor Spiegeln

Fazit: Gedankengänge eines Literaten
Diese Texte zu lesen, das ist zumindest für mich keine einfache Sache gewesen, anfänglich habe ich gar ganzen Passagen schlicht nicht folgen können, das mag mit meinem vielleicht zu schlichtem Gemüt zusammenhängen. Aber dann gibt mir dieser Autor doch Hirnfutter, auch wenn ich die Texte über die Literaten oder grosse Persönlichkeiten nicht so mochte, sondern vielmehr die Frage einer Ethik, welche auch Dean schwerfällt zu benennen. Wie sollen wir im Heute leben? Dean hat, was seine Herkunft angeht, eine faszinierende Ausgangslage und ich hätte gerne mehr darüber gelesen, so hat mir ganz klar der letzte und persönlichste Teil dieses Buches am besten gefallen, im Besonderen die Geschichte der Väter.

Meine Wertung: 5/10

Martin R. Dean / Verbeugung vor Spiegeln – Über das Eigene und das Fremde
Verlag: Jung und Jung, Seiten: 104

Martin R. Dean

Fünf Fragen an Martin R. Dean

1. Waren Sie überrascht, als Sie von Ihrer Nominierung erfahren haben?
Ja, ich war überrumpelt.

2. Was wünschen Sie sich von den Lesern ihres Buches?
Was ich mir auch ohne Nominierung wünsche: dass Sie mein Buch mögen und zu eigenen, weiter führenden Gedanken angeregt werden.

3. Haben Sie einen Lieblingsautor, eine Lieblingsautorin?
Ja, Vladimir Nabokov und Stephan Tome, den ich diesen Sommer entdeckt habe.

4. Wo schreiben Sie? Mit was?
Ich schreibe auf dem PC und am liebsten zuhause.

5. Wem unter den Nominierten würden Sie den Schweizer Buchpreis 2015 geben?
Keine Frage der Welt könnte mir hier eine Antwort entlocken.

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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