Martina Clavadetscher / Knochenlieder

by Manuela Hofstätter on 2. November 2017

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Nominiert für den Schweizer Buchpreis 2017

Die Familien Blau, Weiss, Rot und Grün haben sich zurückgezogen aus der hypertechnischen, vollkontrollierten Menschenwelt, in welcher man einfach mehr Maschine denn Mensch geworden ist. Sie leben im Verborgenen in ihrer Siedlung, nur äussert selten müssen sie Besorgungen machen, die sie an den Rand des Systems bringen. Sie Leben im Einklang mit der Natur, mit dem, was sie aus dieser erzeugen können, bewusst leben sie ihre Gemeinschaft, schützen ihre Werte. Durch Tauschhandel erlangen sie das Nötigste und auch einmal das Geheime, wie diese Pillen, die doch niemand sehen sollte. Jakob und Regina Grün sind das einzige Paar ohne Nachwuchs, also haben sie sich im Geheimen Hilfe geholt. Jakob sinniert auch über die Kinder, sie werden wohl zurückkehren ins System, das Leben der Eltern nicht begreifen, gewisse Dinge kann er ja auch nicht ganz so stehen lassen, ihm fehlt zum Beispiel so sehr die Musik. Die Gemeinschaft feiert die Geburt von Rosa Grün, doch das Feierliche ist getrübt durch die Missgunst, die Angst, es herrscht eine giftige Atmosphäre. Die Gemeinschaft zerbricht, auf Rosas Leben scheint ein Unglück zu haften. Gut zwei Jahrzehnte später lebt Pippa in der vollüberwachten Stadt mit einem Vater, den sie nicht haben will und der Sehnsucht nach Freiheit und Wahrheit und einer innigen Beziehung. Ihr Können als Hackerin könnte sie in die Freiheit führen, sie könnte verschwinden aus der Stadt, aus dem System. Alles zurücklassen und Antworten finden, wird sie das wirklich können? Bye bye smart girl, leave the system …

Fazit: Zukunftsmusik? Menschheit, wohin?
Am Anfang hat mich Clavadetschers Roman völlig fasziniert. Was ist das für eine utopische und doch reale Zeit, in welcher sich da Menschen zurückgezogen haben, ihre Werte schützen wollen? Dann im zweiten Teil musste ich mich an einen völlig anderen Ton gewöhnen, Zukunftsmusik, eine Welt durch und durch digitalisiert, hightechnisiert, absolute Kontrolle und Verlust des Menschlichen. Die Hackerin träumt von Flucht, von einem Neuanfang und für diesen bezahlt sie einen hohen Preis. Der dritte Teil, ich komme nicht ganz umhin zu gestehen, diesen wohl nicht ganz zu verstehen. Ein Drama wird erzählt und aufgelöst, Neid, Verrat, Mord, Liebe und Freiheit spielen auf und ich sehe, hier habe ich ein Buch gelesen, das seinesgleichen nicht findet in der Flut der Romane. Das ist erfrischend aber auch recht gewöhnungsbedürftig zu lesen gewesen für mich. Aber es gibt Stellen im Roman, die musste ich mir anstreichen, wie etwa diese: “Einzig, wenn das Leben reine Dichtung wäre, gäbe es am Ende vielleicht Gerechtigkeit – für die Toten und die Verlassenen.”

Meine Wertung: 7/10

Martina Clavadetscher / Knochenlieder
Verlag: Bücherlese, Seiten: 302

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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