Matthias A. Weiss / Pfaffkids

by Manuela Hofstätter on 10. Juli 2018

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21 verschiedenste Menschen, welche aber einen gemeinsamen Nenner haben, sie alle sind in einem Pfarrhaus aufgewachsen, beantworten dieselben Fragen. Wer sind Sie? Hat sich der Beruf Ihres Vaters oder Ihrer Mutter auf Ihre eigene Berufswahl ausgewirkt? Wie halten Sie es selbst mit der Religion? Dies nur ein paar der Fragen. Wir dürfen kunterbunten Lebensporträts von allerlei Menschen begegnen, von bekannten Persönlichkeiten und ganz normalen Menschen, einzigartig sind sie alle. Am Anfang steht immer eine Fotografie von Florian Moritz, dann die Interviews und am Ende ein Update. Schon nur die Berufsbezeichnungen der 21 Menschen machen neugierig und zeigen auf, nur eines der Pfaffkids ist selbst ein “Pfaffe” geworden, die anderen Szenografin, Beziehungsarbeiterin, Radiomoderatorin, Psychiater, Kolumnist, Filmkomponist, Rockmusiker, Organist, PR-Berater, Müllmann, Mutter & Physiotherapeutin, Physiker, Keramikerin, Flight-Attendant, Fachfrau Vorschulzeit, Finanzfachmann, Schülerin, Gospelsänger, Heilerin, Betriebssanitäter und Kommunikationsverantwortlicher des Mietverbands. Amüsiert wie berührt hat mich besonders das Gespräch mit einer Schülerin, deren Mutter Pfarrerin ist. Sie ist neu in die Schule gekommen und langweilt sich schon, in einem weiteren Gespräch zwei Jahre später ist ihr Lieblingsfach nicht mehr Mathe, aber gut ist sie immer noch darin und sie weiss, was sie werden will, Kriminalpolizistin. Die Gottesdienste findet das Mädchen immer noch langweilig, meint aber: “Ich kenne das Meiste halt schon zur Genüge.” Auch der bekannte ehemalige Fernsehmann Heinrich Müller, der danach eine Karriere als Rockstart startete und heute auf Tournee geht, ist mit präsent geblieben, er steht für die vielen im Buch auch ein, dass es schon etwas Besonderes war, im Pfarrhaus aufzuwachsen und schliesslich sehr hart, den eigenen Weg zu gehen, die Eltern zu enttäuschen, indem er eben nicht Theologie studiert hat. Doch die Eltern reagierten gut, geh deinen Weg, sagten sie. Meine Lieblingsaussage von Heinrich Müller: “Pfarrer zu werden war mir jedoch nicht möglich, da ich schon relativ früh niemandem hätte sagen können und wollen, wo Gott hockt.”

Fazit: Menschen, die im Pfarrhaus gross wurden, erzählen …
Der 22. Mensch, der auch von einem solchen Aufwachsen erzählen könnte, ist der Autor und Verleger selbst. Ich mag seine sensible Gesprächsführung mit den Menschen, seine Idee der Reihe 21 finde ich auch eine rundum gelungene Sache. “Pfaffkids” ist ein Buch über Menschen für Menschen, unsere Herkunft prägt uns, das ist klar, und doch gehen wir unseren eigenen Weg, werden unverwechselbar. Die verschiedensten Lebensbilder habe ich gerne gelesen, Religion ist ein Thema, über welches man zu wenig spricht, ich mochte die Antworten zur Frage nach der eigenen Religion am liebsten in diesem Buch, aber lesen Sie doch selbst …

Meine Wertung: 7/10

Matthias A. Weiss / Pfaffkids
21 Persönlichkeiten aus dem Pfarrhaus / Fotograf Florian Moritz
Verlag: Reihe21, Seiten: 229

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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