Matthias Zschokke / Die Wolken waren gross und weiss und zogen da oben hin

by Manuela Hofstätter on 26. August 2016

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Roman führt ein bescheidenes Leben, seine Geliebte, seine Mutter und ein Freund, mit welchem er fast nur noch per Briefkontakt verkehrt, genügen ihm vollends, er arbeitet an einem neuen Film und mag es, wenn sein Tagesablauf möglichst gleichförmig ist. Am Morgen hat er immer ein paar Worte seines Freundes in seinem Posteingang, dieser ist trübselig und jammert, oder ärgert sich über einfach alles und jeden und vorneweg über dieses Leben, welches im zum Halse raushängt und welches er einfach verlassen möchte, aber er, Roman, wolle ihm ja einfach nicht helfen. Roman findet immer Gegenargumente, selbst wenn er gleicher Meinung wäre, er will den Freund so am Ball halten, oder gar am Leben. Seiner Mutter ruft er gar nicht gerne an, dieselbe Litanei prasselt auf ihn nieder, er möge ihr endlich helfen, sie wolle nicht mehr leben mit den Lasten des Alters, dem Schmerz und Zerfall. Roman ist still im Leben, aber in seinen Gedanken geht er den Dingen auf den Grund, absurd sind sie die Menschen und so auch er, das weiss er genau, ist sich seiner Lächerlichkeit täglich bewusst. Jeden Tag trinkt Roman einen Milchkaffee, immer im selben Lokal, der heisst zwar dort Latte Macchiato, so wie es hinter der Kasse auf einer Tafel angeschrieben steht. Jedes Mal überfliegen Romans Augen die Tafel, eine Farce, er weiss, was er nimmt, die Bedienung auch und doch hält er eisern daran fest. Mittlerweile kann er an den Herzen im Milchschaum erkennen, wer den Kaffee verziert hat, bewundert jedes Herz, jeden Tag. Kühn sollte man sein, so als Mensch, aber wozu denn eigentlich, viele Menschen versuchen das und sind doch nur Imitationen irgendwelcher vorgegebenen Idole, wie peinlich das doch ist. Einmal bestellt er kühn einen Chai Latte, ist sogleich enttäuscht von dem Gebräu und dem darum herum. Der Mutter kauft er ein Kissen, immerhin ein Versuch. Eines weiss Roman genau, nämlich welchen Schauspieler er für die Hauptrolle in seinem neuen Theaterstück haben will, doch das Leben lässt diesen von der grossen Bühne abtreten, bevor Roman ihm die Rolle anbieten kann. Dieses verflixte Leben!

Matthias Zschokke / Die Wolken waren gross und weiss und zogen da oben hin

Fazit: Das Leben zwingt jeden einmal in die Knie!
Zschokkes Roman hat mich erschüttert, der Autor hat so eine unspektakuläre Art das absolut Spektakuläre zu beschreiben. Die Absurdität eines Menschenlebens genau so wie die schlichte Schönheit, die dieses dann andererseits ab und zu offenbart. Der Protagonist Roman geht unter die Haut, spricht die Sinne an und regt ein Gedankenkarussell an, welches mich absolut bereichert hat. Das Ende, aus dem Theaterstück des Protagonisten, das habe ich dann etwas komisch gefunden, aber ich muss es wohl noch einmal lesen. Ich mag diesen Matthias Zschokke und ich mag seinen Protagonisten Roman!

Meine Wertung: 8/10

Matthias Zschokke / Die Wolken waren gross und weiss und zogen da oben hin
Verlag: Wallstein, Seiten: 220

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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