Mehrnousch Zaeri-Esfahani / 33 Bogen und ein Teehaus

by Manuela Hofstätter on 13. Mai 2016

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Es ist derselbe Zeitpunkt als durch die Katastrophe von Tschernobyl eine kleine Stadt zerstört und deren Menschen viel zu spät zur Flucht aufgerufen wurden, in dem auch die Autorin sich mit ihrer Familie auf der Flucht befindet. Während die Gewässer immer weiter fliessen, verändert der Supergau das Leben zahlreicher Menschen und Generationen. Aber das Thema Flucht ist in jedem Fall gleichermassen Furcht einflössend für die Betroffenen. Isfahan war ihre Heimat, ein grosses Haus mit noch grösserem Garten ihr Glück, der Vater als Arzt konnte ihnen ein gutes Leben bieten. Doch dann begann der Schah es zu übertreiben, das Volk ging auf die Strasse, die Revolution war da. Aber es wurde nicht besser, nein, alles wurde noch schlimmer, als die “Blutrote” die Macht hatte. Man sah keine Verliebten auf der Strasse, das war verboten, die Frauen konnten kaum mehr Berufe ausüben, denn fast alles wurde ihnen untersagt, so auch Sport, sich zu schminken, Fahrrad zu fahren oder zu baden und in öffentlichen Gewässern zu schwimmen. Bald sollten schon die kleinsten Jungen ab 12 Jahren in den Krieg ziehen, die Esel weigerten sich, über die Minenfelder zu treten, die Kindersoldaten konnten dies nun tun. Ein Ausreiseverbot für fünfzehnjährige junge Männer sicherte den Nachschub an Soldaten und die Familie wusste, sie hatten keine Heimat mehr. Mit einem einzigen Koffer reist die Familie aus dem Iran in die Türkei, die Flucht gelingt, doch das Viertel in Istanbul ist ein gefährliches, die Familie weiss, hier können sie nicht leben. Die Flucht geht weiter, in Deutschland gilt es, den Flüchtlingsstatus legal zu bekommen, plötzlich sehen sie eine Mauer, Berlin erscheint ihnen freundlich, doch da dürfen sie nicht bleiben, sie vernehmen von den Taten rund um die Mauer, auch hier sterben Menschen, weil sie flüchten wollen. Es folgt Karlsruhe und ein fremdenfeindlicher Eindruck, doch dann endlich ein Ankommen in Heidelberg, eine Wohnung, eine Perspektive, ein Neuanfang. Die Schulpflicht ruft, doch wie meistert man dies in einer fremden Sprache?

Mehrnousche Zaeri-Esfahani / 33 Bogen und ein Teehaus

Fazit: Von Flüssen und Orten, jungen und alten und von der Flucht.
Auf äusserst kunstvolle Weise erzählt die Autorin ihre eigene Geschichte, sie hat eine klare Sprache, ab und zu faktisch, wo es dies braucht, aber darüber hinaus ist sie eine grosse Erzählerin. Leise, weise, feine Bilder werden da erschaffen, gar poetisch ist es dieses Buch! Es hinterlässt in uns einen tiefen Eindruck und wer dazu noch “Das Mondmädchen” derselben Autorin liest, ihre Geschichte im Kinderbuch, der ist dann noch mehr bezaubert von ihrer Erzählkunst!

Meine Wertung: 8/10

Mehrnousch Zaeri-Esfahani / 33 Bogen und ein Teehaus
Verlag: Peter Hammer, Seiten: 148

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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