Michele Serra / Die Liegenden

by Manuela Hofstätter on 17. November 2014

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Ein Vater macht sich Gedanken, sein Sohn ist ihm fremd. Er betrachtet ihn wie ein rares Kunstobjekt. Ja, dieser Sohn liegt oft auf dem Sofa, durchaus ist der Jüngling in dieser Lage fähig, eine beinahe schon akrobatische Leistung zu vollbringen. Auf den Ohren Kopfhörer, auf den Knien der Laptop, in einer Hand ein Handy in der anderen die Fernbedienung des Fernsehers. Der Vater staunt, sein Sohn ist online mit der Welt, aber wo ist der Draht zwischen Vater und Sohn geblieben? Strenge, Regeln, Strafen, nein, so ein Vater wollte er nicht sein, wäre es doch gut gewesen, sich so zu verstellen? Die humorvoll ironische Art jedenfalls erreicht den Liegenden auch nicht, kesse Sprüche am Kühlschrank und an anderen passenden Orten in der Wohnung bewirken nicht einmal ein Zucken der Mundwinkel beim Teenager. So viele Gedanken und Gefühle, die ein Vater mit sich allein ausmachen muss, aber er tut es immer mit einer gewissen Verwunderung und hohem Interesse an diesem Sohn, welcher ihm wie ein fremdes Wesen erscheint. Aber die Melancholie ist auch ein Gefährte, der Vater denkt sich einen starken Romanplot aus, der grosse Generationenkrieg, die Jungen gegen die Alten, muss es Gewinner geben? Eines aber will der Vater, er will mit seinem Sohn auf den Berg seiner Kindheit steigen mit ihm Schwitzen beim Aufstieg, die grandiose Natur wirken lassen, das muss den Sohn berühren. Jeder Mann hat ein klares Ziel in seinem Leben vor Augen und diese Bergtour ist das Ziel des Vaters, er würde den Sohn sogar bezahlen dafür, dass er gewillt ist, diese Tour mit seinem Vater anzutreten, ja gar der Gedanke von Prügel als Mittel zum Zweck geht ihm erstmals durch den sehnsüchtigen Kopf. Vater und Sohn machen diese Tour, wenn auch in gänzlich anderem Schuhwerk.

Michele Serra / Die Liegenden

Fazit: Die Vater Sohn Geschichte des Jahres!
Serra hat ein hinreissendes Porträt eines Vaters gezeichnet und die Generation der “Liegenden”, sie erheitert uns. Aber der Autor lässt keinen verbitterten Vater sprechen und denken, nein, es ist immer nichts als die Liebe, welche Ausgang und Ziel aller Gedanken und Handlungen des Vaters ist. Witzig, ironisch, berührend, die Vater Sohn Geschichte des Jahres!

Meine Wertung: 8/10

Michele Serra / Die Liegenden
Verlag: Diogenes, Seiten: 150

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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