Michelle Steinbeck / Mein Vater war ein Mann an Land und im Wasser ein Walfisch

by Manuela Hofstätter on 22. September 2016

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Loribeth ist mit einem Bruder aufgewachsen und einer Mutter, die immer Huhn kochte, sie hatte keinen Fernseher, aber ein Radio, welches sie einem Wärter abgekauft hat. Der Vater, der ist also irgendwann gegangen und nun will ihn Loribeth suchen gehen. Leider hat sie, als sie ihr Bügeleisen aus dem Fenster geschmissen hat, ein Kind getroffen. Das Kind ist nun im Koffer des Vaters und die Wahrsagerin hat ihr geraten, diesen Koffer, welcher ihr ja nicht gehört, samt Inhalt dem Vater zurückzubringen. Das Kind hat an den Koffer geklopft, aber zum Glück hat die Wahrsagerin dies nicht gehört. Die Reise beginnt, Männer kommen des Weges, einer hilft der hungrigen Loribeth mit einem Stück Fischkuchen aus, ein anderer, der wäre eigentlich ganz brauchbar, er hat nur einen Fehler, er mag Kinder. Auch das Kind im Koffer möchte er gar gross ziehen mit ihr, aber Loribeth hasst Kinder, Tyrannen sind das, das Kind soll wieder in den Koffer. Es stinkt im Koffer, doch niemand scheint das zu bemerken, drei Hunde, gross und ekelerregend haben Loribeth zu Boden gedrückt, der Koffer ist dabei auch aufgesprungen und so hat das Kind ein Ohr verloren, dem Hund hat es geschmeckt und alle drei Biester zogen wieder ab. Die rote Stadt muss gesucht werden, dort findet sich ein Alter, der kennt Loribeths Vater, er bringt sie zur Frau mit dem schwangeren Bauch. Die Frau drückt Loribeth Geld in die Hand und schickt sie auf die Insel, dorthin ziehe sich ihr Vater immer zurück. Die Reise geht nun auch zu Wasser weiter, der Koffer erlebt hierbei sein grösstes Abenteuer, samt Inhalt… Eine Künstlergruppe lebt am Wasser, Loribeth eine Weile mit ihnen, dann besucht sie den Vater.

Michelle Steinbeck / Mein Vater war ein Mann an Land und im Wasser ein Walfisch

Fazit: Eine schräge Reise, eine Vatersuche, ein Albtraum …
Eine Beschreibung zu Steinbecks Roman kann kaum gelingen, also ist es eine Zusammenfassung dessen, was mir am ehesten im Gedächtnis hängen geblieben ist nach der Lektüre des Romans. Es ist ein Roman, der verwirren kann, nichts ist klar, die wirre Story war dann auch nicht das, was ich mir von einem Buch wünsche. Aber ich habe durchaus Gefallen gefunden an einigen Textpassagen oder Aussagen im Buch:

“Ich dachte schon, lacht er wieder, ich finde Kinder nämlich grässlich. Ihre schrillen Stimmen und ihr Egoismus machen mich ganz krank.”

“… ihr schräges, unbestimmtes Lächeln – ich hasse es; es wirft Steine in die Traurigkeitssuppe zwischen meinen Rippen.” (Äusserung über die Mutter)

“Gierig lecken sie an meinen Füssen; sie haben das Kind gefressen, nun wollen sie mehr. Ich schleudere Sand in ihre Schlünde; sie bäumen sich auf, schäumen. Sie strecken sich nach mir aus, türmen sich grauschwarz, saugen alles rundherum auf und krachen übereinander.” (Wellen am Meer)

Nun ist dieses Debüt der jungen Autorin nominiert für den Schweizer Buchpreis 2016..

Meine Wertung: 5/10

Michelle Steinbeck / Mein Vater war ein Mann an Land und im Wasser ein Walfisch
Verlag: Lenos, Seiten: 153

 

Kommentar

So, ich habe also Frau Steinbecks Buch gelesen, es ist nicht ein Buch, welches ich nun allen schenken mag, auch keines, das mir gefällt. Aber die ganze Aufregung um die Autorin, die befremdet mich dann doch, es geht nicht blutiger hin und her in diesem Roman als etwa in einem Krimi, gar nicht. Die viel verschrienen Finger zum Beispiel sind Würstchen im Glas und ich weiss für mich ganz genau welche und kann das gar lustig finden, diesen Vergleich, zumal er nun der Autorin zu so viel Aufmerksamkeit verhilft, da kann sie sich ja ins ganze Fäustchen lachen und nicht nur in ihre zarten Fingerchen. Um ein Buch kritisieren zu können, muss man es eben doch selber lesen. Das Ohr des Kindes, doch, das schmeckt dann einem Hund, aber liebe Leute, das ist für mich nur eine Ebene im Buch, eine fiktive meiner Meinung nach noch dazu. Der ganze Roman steht für mich nicht im Realen, er ist vielmehr wie ein Traum, oder Traumfetzen, die da vorbei treiben. Die Autorin hasst auch nicht Kinder, wir können über sie lediglich in Erfahrung bringen, dass sie in einer grossen Siedlung aufgewachsen ist und viel zu lange dort geblieben ist. Die vielen Kinder dort liessen sie offenbar nicht ausschlafen, so wie sie das gerne getan hätte. Steinbecks Schreiben ist also auch gezeichnet von selbst Erlebtem, ich habe mich immer gefragt, wo Loribeth unterwegs ist, ich dachte immer an Asien, offenbar hat die Autorin auf Reisen geschrieben, das werde ich sie gerne einmal fragen. Auch interessant finde ich noch die Frage, warum im Buch von Wärtern erzählt wird, wächst Loribeth in Gefangenschaft auf oder ist dies auch nur ein Mittel, dem Text schräge Fragen beizumischen? Vielleicht ist auch das reale Aufwachsen in der Siedlung der Autorin wie ein Gefängnis vorgekommen? Die Textstelle, wo Steinbeck die Wellen beschreibt, die gefällt mir ausgesprochen gut. Schreiben ist immer eine grosse Arbeit, lesen auch, was wir lesen wollen, dürfen wir zum Glück frei entscheiden. Ich begrüsse es, haben wir eine so breite Vielfalt an Büchern und Literatur, das ist ein grosses Glück!

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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