Miku Sophie Kümel / Kintsugi

by Manuela Hofstätter on 16. Oktober 2019

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Reik und Max sind ein Traumpaar, wenn es die grosse Liebe gibt, so sieht man sie in ihnen bestätigt. Reik ist Künstler durch und durch, seinen Weg, das bekräftigt er immer, seinen enormen Erfolg verdankt er Max, der ihn immer halten und aushalten konnte, was sicherlich nicht einfach ist. Reik ist wild, unberechenbar, hat aber auch Abstürze. Max ist Professor, umschwärmt, doch das kümmert ihn nicht, seine Vorlesungen über Archäologie vermögen die Studierenden zu fesseln. Er ist ein grosser Mann, dünn, still, sanft, klug, schwärmt für die japanische Kultur und immer hat er alles im Griff. Jetzt feiert das Paar in ihrem abgelegenen Haus am See seine 20-jährige Beziehung, sie haben Freunde eingeladen, ihre einzigen wirklichen Freunde, es soll ein schönes Wochenende werden. Tonio und seine Tochter Pega treffen ein. Tonio ist alleinerziehender Vater, seine Affäre vor 20 Jahren schenkte ihm Pega, er hat darum gekämpft, dass sie geboren wurde und er ist in der Vaterrolle aufgegangen. Tonio ist ein begabter Pianist, doch er wollte nicht Karriere machen, er wollte Vater sein. Dabei war Reik Tonios erste grosse Liebe, bis heute sorgt das manchmal für Spannungen in der Konstellation der Freunde, die eben einander auch Familie waren. Pega wurde oft von Reik und Max gehütet und gehätschelt und ebenso innig geliebt wie von ihrem Vater. Nun ist Pega zur jungen Frau herangewachsen, eigenwillig, stark, klug, wie alle finden, einzig mit ihrem Vater hat sie zur Zeit Probleme und mit ihrem ersten Freund Nikolaus, der nun weg ist und von dem keiner etwas weiss. Nikolaus war nur ein Ersatz, sollte Pega Erfahrung bringen und sie ablenken, denn Pega ist schon lange intensiv verliebt. Während den Freunden das Wochenende immer mehr entgleitet, immer mehr Brüche sich ereignen, welche weit über das heilige japanische Teegeschirr von Max hinaus gehen und eben doch auch mit genau diesem zusammenhängen, während all dem scheinen die Freunde sich doch am einzig sicheren halten zu können, der Liebe zwischen Max und Reik. Während das Paar einen Streit austrägt, sollen Vater und Tochter fernbleiben, sich finden, sich beruhigen. Tonio muss Pega nämlich dringend etwas erzählen, diese hütet ihr Geheimnis weiter und schliesslich rätseln sie doch, ob es nicht endlich möglich sei, dass Max und Reik heiraten. Jetzt könnten ja Max und Reik heiraten, jetzt dürften sie das und sogar Eltern werden dürften sie nun. Doch in diesem Thema schienen sich die beiden immer einig zu sein, keine Kinder, keine Haustiere, dafür eröffnen sie jetzt aber Tonio und Pega eine ganz andere Entscheidung …

Fazit: Die wahre Liebe und das grosse Glück.
In Miku Sophie Kümels Roman taucht man in eine ganz eigene Beziehungswelt und in die Liebesgeschichten der Protagonisten ein. Alle Figuren sind gleichermassen stark, wenn sie aus ihrer Perspektive berichten, zerschlagen sie die gefestigten Bilder, welche wir uns von ihnen gemacht haben. Dieser Roman ist für mich eine der schönsten Liebesgeschichten, die ich lesen kann und dabei so kunstvoll wie charmant, so voller Lust und Leben geschrieben, schlicht umwerfend schön, da kann man schon sein Horaisan finden beim Lesen. Kintsugi: Das Kunsthandwerk zerbrochenes Porzellan mit Gold zu reparieren … mehr wird nicht verraten.

Meine Wertung: 9/10

Miku Sophie Kümel / Kintsugi
Verlag: S. Fischer, Seiten: 304

Manuela Hofstätter

Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
Manuela Hofstätter

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