Milena Michiko Flašar / Herr Katō spielt Familie

by Manuela Hofstätter on 16. Juni 2018

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Es ist ein komisches Gefühl, als Herr Katō den Arzt mit besten Befunden und kerngesund verlässt, ha er ja insgeheim gehofft, man würde etwas finden. Sein Leben mit seiner Frau oben auf dem Hügel mit herrlicher rundum Aussicht und den Kindern, die bereits ihre eigenen Wege gehen als junge Erwachsene, dies ist die eine Seite, welche etwas bedrückt, die weitaus schlimmere ist die Tatsache, dass man ihn auf der Arbeit ausrangiert hat, diese Sinnlosigkeit des ganzen Daseins, die drückt ihm auf die Seele. Seine Frau scheint ihm in letzter Zeit reichlich komisch, sie hat einen Tanzkurs belegt, lobt den Lehrer und ist nachlässig in allen Dingen geworden, was in ihm gar aggressive Gefühle weckt. Er soll Spazieren gehen, aber so weit kommt es nicht, er läuft, und eines Tages tanzt er gar auf dem Friedhof, da er sich unbeobachtet fühlt und vieles rauslassen muss. Doch er wurde beobachtet, nein, bewundert gar von der jungen Frau namens Mie. Mie ist begeistert von Katōs schauspielerischem Talent, sie bietet ihm einen Job an. Mie schlüpft in bestellte Rollen, auch andere tun dies, das Geschäft floriert, Herr Katō lässt sich auf dieses Experiment auch ein, spielt einen Grossvater und nimmt an einer Hochzeit teil, an welcher nur das Brautpaar nicht gecastet ist. Doch dann bricht Mie den Kontakt ab, und Katō hat seine liebe Mühe mit der Welt. Was ist echt, was ist gespielt. Der Obdachlose in ihrer Strasse, er trägt Katōs abgelegten Anzug, immer hat er denselben flotten Spruch auf den Lippen gehabt, dass er eigentlich der Bessere wäre an der Seite von Katōs Frau, sogar der Obdachlose ist nicht mehr derselbe. Was ist aus den alten Plänen geworden, er wollte doch mit seiner Frau nach Paris reisen, sie überraschen, stattdessen vergisst er ihren achtundfünfzigsten Geburtstag, was sie erschreckend wenig stört. Doch dafür steht die schwangere Tochter vor der Tür, weinend, seine Frau ist natürlich beim Tanzen. Vater Katō versucht sein Bestes zu geben, doch er erreicht seine Tochter nicht, der Mutter gelingt es später spielend mit denselben Worten, die er doch auch gewäht hatte. Was ist das nur dieses Leben zwischen Schein und sein?

Fazit: Das Leben ist ein einziges Schauspiel!
Das Lesen ist ein Hochgenuss, wenn die Autorin Milena Michiko Flašar heisst, ich tauche in eine wundervolle Sprache ein, eine hochsensible Beobachterin erzählt hier über exakte Befindlichkeiten verschiedener Protagonisten. Aber was ist nun wichtig in einem Leben, was ist echt, was frei erfunden und kann man dies überhaupt klar erkennen, zu Trennen wissen?
Dieser Roman hat mich tief bewegt aber auch berauscht und er macht Mut. Mut, Träume zu verwirklichen, bevor man dies nicht mehr kann. Lesen, ach bitte lesen Sie dieses Buch!

Meine Wertung: 9/10

Milena Michiko Flašar / Herr Katō spielt Familie
Verlag: Wagenbach, Seiten: 176

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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