Monika Maron / Ach Glück

by Manuela Hofstätter on 1. August 2007

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Johanna und Achim Märtin sind ein alteingestandenes Ehepaar. Während Achim vorerst findet, es sei alles in bester Ordnung und gemütlich in seinen literarischen Studien die längste Zeit am Bürotisch verbringt, tobt in Johanna ein ganz anderes Gefühl. Johanna will nicht mehr nur diesen Rücken sehen, Achims Rücken, mit seinem Rücken zur Welt gewandt bringt er sie immer mehr in Rage, sie will leben, lieben, sie will kein ruhiges Altern, denn sie fühlt sich nicht alt. Oder eben vielleicht doch, ist es das drohende Altern, welches Johanna so ganz und gar antreibt zu Veränderung und Neuem. Als seine Frau plötzlich mit dem Hund Bredow, den Namen bekommt er durch den Ort, an welchem er ausgesetzt wurde, in der Wohnung steht, und kompromisslos verkündet, dass das Tier bleibe, da merkt Achim dann doch langsam, dass sich etwas verändert. Bredow und Johanna sind unzertrennlich, ständig werden Zärtlichkeiten ausgetauscht, Achim mutet diese Nähe beinahe obszön an. Plötzlich arbeitet Johanna aushilfsweise in einer Galerie für russische Kunst. Achim kann diesen Besitzer der Galerie, einen arroganten Russen ganz und gar nicht ausstehen, zu dem ist er recht jünger als er und Johanna das sind. Was sieht Johanna bloss an diesem Kerl, muss er, Achim eifersüchtig sein, und was sieht dieser Typ, der Russe denn in seiner alternden Frau. Inzwischen hat Johanna über den Galeristen einen Briefkontakt zu einer älteren russischen Aristokratin aufgebaut, sie fühlt sich verstanden, fasziniert von der Worten dieser nie gesehenen Frau reist sie schliesslich gar nach Mexiko. In Mexiko, wollen die beiden Frauen eine Jugendfreundin der Russin aufspüren, die Malerin und Schriftstellerin, die total verrückte Leonora Carrington. Obwohl Johanna das empfohlene teure und nicht ganz einfach zu kriegende Buch „ das Hörrohr“ von Leonora noch nicht einmal gelesen hat, sitzt sie jetzt doch tatsächlich im Flieger, es ist ihre erste grosse Flugreise ganz alleine. Achim bleibt verdattert zurück, streunt durch seine vertraute Gegend und denkt nach…

Fazit
Kind ausgezogen und erwachsen, eine Ehe die in einen neuen und wohl letzten Lebensabschnitt wechselt, keine einfache Sache. Diese Geschichte von Johanna und Achim zeugt von Liebe, aber findet den Weg und Mut zu gemeinsamem Neuem auf Anhieb nicht. Wobei für mich persönlich der offene Schluss ganz klar für dieses Ehepaar spricht. Mit dem Hund ändert sich offensichtlich alles, das Tier gibt Johanna alle Liebe und Nähe die ihr fehlt und die sie nun auch endlich wieder geben kann. Aber der Hund steht auch für einen Auslöser ganz auszubrechen, dem Leben die Türe zu öffnen und das Alter nicht als Bedrohung zu sehen. Es ist wundervoll zu lesen, wie diese Frau lebt , und neugierig ist. Die faszinierende englische Malerin und Schriftstellerin Leonora Carrington 1917 geboren , gibt es wirklich sie lebt bis Heute in den USA. Auch das im Roman erwähnte Buch “das Hörrohr” ist ein recht teures antiquarisch erhältliches Büchlein aus dem Suhrkamp Verlag. Ein aufwühlendes Frauenbuch hat uns also Monika Maron geschenkt, gewiss spricht es viele Altersgruppen an und macht neugierig aufs Leben und auf das prächtige Weib sein!

Meine Wertung: 7/10

Monika Maron / Ach Glück
Verlag: S. Fischer, Seiten: 218

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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