Natalia Sanmartin Fenollera / Das Erwachen der Señorita Prim

by Manuela Hofstätter on 3. November 2013

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Prudencia Prim meldet sich auf eine Stellenausschreibung für eine Bibliothekarin im kleinen, spanischen Ort San Ireneo de Arnois. Eigentlich, weil sie die Abgeschiedenheit und den Neuanfang sucht, aber auch ein klein wenig aus Unmut, denn in der Ausschreibung steht, die Bewerberin dürfe über keinerlei anderweitige Titel, Diplome und dergleichen verfügen. Señorita Prim bekommt die Anstellung bei dem über alle Massen höflichen und offensichtlich hochliterarischen und gebildeten Mann, sie empfindet ihre Anstellung als Befriedigung, denn über Diplome und dergleichen verfügt sie gleich mehrere. Prudencia wird fortan vom Gefühl begleitet, sie könne ihrem Chef nicht das Wasser reichen, die Gespräche zwischen ihnen wirken immer irgendwie wie Duelle. Wer ist dieser Mann nur, er erzieht Kinder, die nicht seine sind und diese haben eine Allgemeinbildung, die für ihr Alter recht verstörend wirkt. Zudem stellt die Bibliothekarin bald fest, dass gerade den Mädchen sehr wichtige Literatur vorenthalten wird. Sie will dies in Ordnung bringen und fragt sich zugleich, ob der Mann des Hauses ein verstecktes Problem mit Frauen hat. Aber das Leben im kleinen Ort ist ohnehin ein ganz anderes als irgendwo anders auf der Welt. Irgendwie ist in San Ireneo die Zeit stehen geblieben, die Menschen haben Zeit und sie pflegen die Kultur, Literatur und das höfliche Miteinander. Aber sogar eine Señorita Prim kann sich an einem solch herrlichen Ort, der wie für sie geschaffen scheint, in unglückliche Missgeschicke verstricken.

Fazit: Eine Perle von einem Buch, fast wie eine Botschaft aus einer anderen Zeit!
Eine absolut ungewöhnliche Geschichte in einer wundervollen, äusserst selten gewordenen Sprache entführt uns an einen Ort, der es geschafft hat, seine Werte zu bewahrten. Höflichkeit, Freundschaft und die Liebe zur Literatur haben in diesem Roman einen hohen Stellenwert. Ich habe mich lange gefragt, in welcher vergangenen Zeit der Roman spielt, erstaunlicherweise ja im Heute, aber eben, an einem wirklich anderen Ort. Leser, die Jane Austen lieben, wird dieses Buch sicherlich auch erfreuen. Aber auch alle anderen, welche gerne über Literatur, Liebe, Freundschaft, das Leben, Moral und Gleichstellung zwischen Mann und Frau philosophieren mögen.

Meine Wertung: 7/10

Natalia Sanmartin Fenollera / Das Erwachen der Señorita Prim
Verlag: Thiele, Seiten: 363

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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