Niko Stoifberg / Dort

by Manuela Hofstätter on 19. September 2019

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Nominiert für den Franz-Tumler-Literaturpreis 2019

Plötzlich trifft er sie und als er sie sieht, weiss er ganz genau, sie ist die Liebe seines Lebens, die Frau, auf die er gewartet hat. Doch ist das ihr Kind da an ihrer Hand? Das Kind ist behindert, es gleicht ihr nicht, er folgt den beiden. Setzt sich am Wasser mit einem Buch auf eine Bank, sie wird wohl die Schwäne füttern mit ihm, das macht den Kindern immer Spass. Jetzt telefoniert sie, hat den Buben losgelassen, doch dieser bleibt unbeweglich. Da lockt er den Buben, reicht ihm Brot, tatsächlich kommt tapsige Bewegung in das Kind und auch in ihn, er handelt schneller, als er denken kann. Ein Schrei, er springt dem Buben ins Wasser hinterher, kann das Kind greifen, doch als sie an Land gelangen, ist es zu spät für den Buben, er ist tot. Milo Fischlin ist tot und diese Frau bei ihm ist nicht seine Mutter, sondern seine Schwester und diese klammert sich jetzt an ihn, lässt ihn nicht mehr los, regelt alles, nimmt ihn mit sich. Sebastian verbringt eine Nacht mit Lydia, eine schöne und grausame zugleich. Von nun an hadert Sebastian mit sich, darf man tun, was er getan hat, um sein Glück zu finden? Sein Vater, der Fliegeroberst Zünd hat nach dem Tod seiner geliebten Frau und Sebastians Mutter auch wieder das Glück gefunden, ausgerechnet heute will er Sebastian endlich die neue Frau an seiner Seite vorstellen und Sebastian geht ins Hotel zum vereinbarten Treffen. Xenia ist ihm auf Anhieb sympathisch, er gönnt dem Vater diese Liebe, gesteht gar beiden, dass er auch ganz frisch verliebt sei. Als er Tage darauf zur Beerdigung von Milo fährt, denn das gehört sich doch in seiner Situation, erlebt er einen argen Schock, denn es stellt sich heraus, dass Xenia die Mutter von Milo ist. Von nun an ist Sebastians Leben die pure Hölle. Die Hotelbesitzerin Xenia ist es gewohnt zu bekommen, was sie will, sie gibt Sebi, wie man ihn unter Freunden oder der Familie nennt, klar zu verstehen, was sie von ihm will. So gibt Sebastian seine famosen Kunstgartenbauprojekte auf, um im abgelegenen Hotel von Xenia einen seiner berühmten Naturwege zu bauen. Xenia hat ihrerseits nie verkraftet, dass Milo behindert geboren worden ist, im Hotel gibt es einen Bunker aus Kriegszeiten, dort versteckt sie die Angestellten, allesamt versehrte, behinderte, entstellte Menschen, sie will ihnen helfen, eine Perspektive geben und Sebi soll nun in einem Zimmer im Bunker wohnen, doch die Alpträume und Menschen dort machen ihn völlig fertig. Was er herausfindet und erlebt, würde den stärksten Menschen um den Verstand bringen, kann er so seine grosse Liebe und sein Leben überhaupt noch retten?

Fazit: Wozu Menschen fähig sind – welchen Preis bezahlst du für die Liebe?
Niko Stoifberg ist mit seinem Debütroman etwas Eigenartiges gelungen. Er baut vor unseren Augen eine ganze eigene Welt auf und er spielt mit unseren Urängsten und unserer Sehnsucht nach dem Glück auf eine Art und Weise, die es in sich hat. Nichts ist so abartig verrückt wie das Leben und genau über dieses und Zufälle, die keine sind in jenem, schreibt der Autor äusserst eigenwillig. Dieser Roman ist ein Leseerlebnis der andern Art, was ist recht und richtig in unserem Dasein, wie weit können wir gehen und von welchem Zeitpunkt an holt uns das Grauen ein, rächt sich das Leben in Form unseres Gewissens? Stimmungsvoll, schräg geschrieben, in der Tat ja offenbar aus einem Traum heraus entstanden …

Meine Wertung: 8/10

Niko Stoifberg / Dort
Verlag: Nagel und Kimche, Seiten: 328

Manuela Hofstätter

Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
Manuela Hofstätter

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