Noëmi Lerch / Die Pürin

by Manuela Hofstätter on 26. April 2017

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Die Pürin scheint immer schon da gewesen zu sein, und weil sie so von dieser beeindruckt ist, hat sie beschlossen, ihre Gehilfin zu sein. Wichtiges und was ihr als solches erscheint, schreibt die Gehilfin auf. Abends kehrt sie zurück in die grosse, alte, dem Zerfall ausgesetzte, leere Villa und versucht sich zu erinnern. Die Grossmutter der Gehilfin stand immer hinter dem Haus, bewachte das Gestein, auf dass es keinem Menschen oder Tier Schaden antun werde. Das Gestein rumpelt oft, die Gehilfin vernimmts, geht weiter ihren Weg, hin zur Pürin, die Arbeit wartet. Der Traktor weiss etwas zu erzählen, selbst die Schubkarre tut es ihm nach und manchmal fordert die Pürin die Gehilfin auf, einen Ausflug zu machen. Die Gehilfin freut sich, einmal Pommes essen im Restaurant und staunen, dass man diese sogar essen kann und sie gar nicht übel schmecken. Die Arbeit ruft täglich und sie ist hart, besonders im Winter, wenn alles einzufrieren droht. Das Melken erledigen sie von Hand, die Gehilfin kann mittlerweile schon fast alle Arbeiten so gut ausrichten wie die Pürin, nur an der Erfahrung fehlt es ihr noch. Die Gehilfin denkt zurück, an ihn, an das Glück, das sie teilten, an ihr Zögern und Zurückbleiben, wird sie wie die Pürin für immer da bleiben im Tal, bei den Tieren, beim Kater Mephisto? Täglich bietet man dem “Teufel” das Beste von dem an, was man hat, ein Schälchen Milch, man will ihn milde stimmen, dem Unglück wehren. Es ist ein unglücklicher Tag, wenn die Kälber zum Schlachter abtransportiert werden, kurz sieht man sogar bei der Pürin Tränen in den Augen, aber die Kälber folgen ihr treuherzig, sie bleibt bis zum Ende bei ihnen, sie hatten ein gutes Leben und das Leben muss weitergehen. “Kannst du hiervon Leben?”, fragt die Gehilfin die Pürin und diese antwortet: “Ja, das siehst du doch!”. Die Pürin wird alt, manchmal ist sie müde, wird die Gehilfin bleiben oder gehen?

Fazit: Still und weise, Natur und Mensch.
In diesem Debüt erleben wir ein Jahr mitten im Alltag einer Pürin und deren Gehilfin, mitten in der Natur, auf einem Hof in einem abgelegenen Ort in den Bergen. Unspektakulär, nahezu nüchtern ist die Sprache der Autorin, aber in uns entfacht diese Geschichte ein warmes Feuer, mir ist es zumindest so ergangen. Wichtig finde ich auch den feministischen Aspekt des Buches, hier aus dem Anfang des Prologs: “Als die Pürin Pürin werden wollte, sagte man ihr, das ist gegen das Gesetz. Die Pürin gibt es nur als die Frau vom Bauern. Und eine Pürin ohne Mann, das sei schon kompliziert genug. Aber die Pürin wollte alleine, und als Frau Bäuerin werden. … Als erste Frau besuchte die Pürin die Schule für Landwirtschaft. Sie bestand mit Bestnote. Ihr Mann später war froh, dass er nicht Bauer werden musste.” Ein rares, ein feines Leseerlebnis!

Meine Wertung: 8/10

Noëmi Lerch / Die Pürin
Verlag: die brotsuppe, Seiten: 82

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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