Paola Peretti / In der Nacht hör ich die Sterne

by Manuela Hofstätter on 28. Februar 2019

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“Der Baron auf den Bäumen” von Italo Calvino war Papas Lieblingsbuch und wird auch ihres. Mafalda ist neun Jahre alt und hat schon viele Geheimnisse. Was Mafalda auch hat, ist die Gewissheit, dass sie bald erblinden wird, der Stargardt-Nebel, der ihr das Sehen immer mehr raubt, ist in ihrem Fall besonders grässlich, schreitet brutal schnell voran. Mafalda schreibt heimlich an Cosimo, eben den Baron im Baum, sie weiss nämlich, er lebt im Kirschbaum, welcher vor ihrer Schule steht und auch ihre geliebte Oma ist nun dort hingegangen nach ihrem Tod. Mafalda schreibt Cosimo, um ihm von ihren Plänen und ihrem Kummer zu berichten und fleht ihn um Hilfe an, denn sie hat einen Plan. Bevor alles in der grossen Dunkelheit verschwinden wird, wird Mafalda sich der Welt und ihren überbesorgten Eltern entziehen und in den Kirschbaum klettern, sie wird es Cosimo gleich tun, also besorgt sie heimlich Dinge für ihr Leben auf dem Baum. In der Schule hat Mafalda ihre beste Freundin, es ist keine Schülerin, es ist die Hausmeisterin Estella, eine nach aussen hin ruppige Frau, doch für Mafalda eine Heldin. Estella ist tatsächlich eine Heldin, eine der wenigen, die es in der Welt noch gibt, sie ist auch eine echte Amazone geworden, doch das ist Estellas Geschichte und die will sie noch nicht preisgeben. Ottimo Turcaret, der holt Mafalda gar von der Schule ab, er ist ein herrliches Exemplar von einem Kater und immer an Mafaldas Seite. Denn auch wenn Mafalda dies nicht zugeben mag, sie hat eine riesige Angst vor der grossen Dunkelheit, aber sie stellt sich dieser Angst immer wieder, denn Mafalda ist ein ganz besonderes Mädchen, eines, das ihren 10. Geburtstag mit einem neuen besten Freund feiern kann, dem coolen, wilden Filippo aus der Schule, dem Jungen, der schon ein paar Freundinnen hatte, der mutig ist und beliebt bei fast allen, der aber oft Ärger bekommt. Filippos Eltern haben sich getrennt, seither rastet er schnell aus, doch er hat ganz andere Seiten und wenn er mit Mafalda auf dem Schlitten einen Schneehang herunter rast oder sie herausfindet, dass er ein begabter Klavierspieler und Musiker ist, dann sind das die Momente, in welchen sie beide fühlen können, dass es etwas ganz Besonderes ist, was sie füreinander empfinden. Mit Filippo kann Mafalda Tränen vergiessen im Lachen wie im Weinen. Doch Mafalda ist eben auch noch Kind, manchmal ist ihre Fantasie so gross und weit und beschert ihr doch auch komisches Wissen und eben Angst. Die Eltern wollen umziehen, damit es für Mafalda einfacher wird, doch dann passiert es, Mafalda muss handeln, sie haut ab in ihren Baum. Aber es sei hier verraten, Mafalda kommt auch wieder herunter vom Baum, wie allerdings, das muss man einfach lesen!

Fazit: Ein famoser Kater, ein echter Freund, die beste Hausmeisterin der Welt und ein richtig starkes Mädchen!
Paola Peretti lebt selber mit der Augenkrankheit namens Stargardt-Nebel, sie hat sich dazu entschlossen, diesen Roman um das Mädchen Mafalda zu schreiben und damit macht sie sicherlich viele Menschen sehr glücklich. Dies ist einer dieser Romane mit Figuren, in welche man sich auf der Stelle verliebt und mit einer Geschichte, die so richtig ans Herz geht und zudem macht diese fabelhafte Geschichte Mut und bringt uns die ganz wichtigen Themen im Dasein vor Augen. Freundschaft, die sieht man nämlich nicht mit den Augen, man fühlt sie, wie so vieles andere auch. Die Autorin unterrichtet Flüchtlingskinder und schreibt hoffentlich weiter. “In der Nacht hör ich die Sterne” ist in über 20 Sprachen übersetzt worden, gut so, denn dieses Buch macht glücklich!

Meine Wertung: 9/10

Paola Peretti / In der Nacht hör ich die Sterne
Verlag: dtv, Seiten: 224

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