Patrick Jacquemin / Der Duft von Gras nach dem Regen

by Manuela Hofstätter on 22. September 2019

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Annabelle Dumas ist mit ihren vierzig Lebensjahren im geschäftlichen Leben auf dem Höhepunkt angelangt. Mit ihrer Bank gilt sie im Finanzbereich als absolute und anerkannte Expertin. Ihr Leben in Paris ist von harter Arbeit geprägt, im Privatleben ist sie Mutter und geschieden, wenn ihre achtjährige Tochter Léna bei ihr ist, findet sie kaum Zeit für diese. Doch dann, bei einer Feier ihr zu ehren, erzählen alle von ihren Ferienplänen. Annabelle hat keine Ferienpläne, um Erfolg zu haben, muss man bereit sein, einen hohen Preis zu bezahlen. Annabelle ist genau so geworden, wie sich das ihre Eltern vorgestellt haben, aber nun merkt sie, wie unglücklich sie doch ist, und erleidet einen Zusammenbruch. Annabelle wird von einer heftigen Sehnsucht nach dem Dorf ihrer Kindheit ergriffen, so sehr, dass sie sich ins Auto setzt und einfach losfährt, raus aus der Stadt in die Haute-Marne und als sie endlich auf der Landstrasse Richtung Zielort Langres fährt, muss sie anhalten und eine wunderbare Wiese näher betrachten. Annabelle atmet tief durch und bricht dann in einen Freudentaumel aus, tanzt durch die Wiese und legt sich darin nieder, schläft schliesslich ein. Als sie aufwacht, ist ihr Kleid voller Grasflecken und es dämmert schon, sie hat die Orientierung verloren und findet ihr Auto nicht mehr, in welchem sie ihre Handtasche und somit auch ihr Handy zurückgelassen hat. Wie froh ist Annabelle, als sie im Dunkeln einen Lichtschein erblickt und ihr auf einem Hof der siebzigjährige Bauer Georges Lesage seine Haustüre öffnet. Georges lebt alleine mit der Natur und seinen Tieren und vielen, vielen Büchern, die seine ordentlichen Räume füllen und sein Leben bereichern. Doch Georges ist ein ausgesprochen besonderer Mann, ohne Festnetz und Mobiltelefon, hoch gebildet und mit einem Geheimnis und einer Sehnsucht im Herzen, welche nach dieser Begegnung mit der jungen Frau aus der Stadt wieder aufflammt. Annabelles Leben gerät herrlich durcheinander, durch einen unbegabten Psychologen aber dann wieder in geregelten Bahnen, doch die Begegnung von Annabelle und Georges hat eine unbeschreibliche Wirkung und über dieses Glück soll man nicht mehr erzählen, das muss man einfach selber lesen und erleben …

Fazit: Das Leben ist dazu da, um einfach nur zu leben!
Dieser Roman um eine wohlhabende und gestresste Geschäftsfrau aus Paris und einen reifen, weisen Bauern vom Land ist Balsam für gestresste Menschen. Um was geht es eigentlich in einem Menschenleben? Georges hat eine Antwort bereit, die so weise und klug ist und seine Art zu leben ist schlicht schön. Die Achtung und die Liebe zur Natur sind für Georges eine Selbstverständlichkeit. “Ich habe alles, was ich zum Leben brauche, … Und das bedeutet wohl, dass ich reich bin, nicht wahr?”. Georges kennenlernen zu dürfen ist ein grosses Glück, welch schönes Buch!

Meine Wertung: 8/10

Patrick Jacquemin / Der Duft von Gras nach dem Regen
übersetzt aus dem Französischen von Anne Braun
Verlag: Harper Collins, Seiten: 224

Manuela Hofstätter

Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
Manuela Hofstätter

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