Patrick Tschan / Eine Reise später

by Manuela Hofstätter on 31. August 2015

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Schmid hat sie geliebt seine Astrid, mehrmals sind sie immer und noch einmal wieder zueinander gekommen, doch als sie ihn mit seinem besten Freund betrogen hat, da war dann Schluss, das hatte richtig fies wehgetan. Die Jahre sind vergangen, man ist gealtert, vielleicht auch gereift, nicht nur an Jahren. Schmid sitzt im Zug und plötzlich erkennt er sie wieder, diese Stimme aus dem Lautsprecher. Aus lauter Verzückung folgt er dann sogleich der Verlockung dieser Stimme und begibt sich in die Zugmitte ins Bordrestaurant, wo er einen scheusslichen Kaffee trinkt und sich auch die versprochene kleine Köstlichkeit genehmigt. Fast schlimm im Halse stecken bleibt ihm der staubtrockene Kuchen, doch die Stimme, die bleibt auch fest bei ihm und schliesslich ruft er sie an, seine Astrid, so viele Jahre danach und erst noch mit einem kühnen Plan. Astrid hat zugesagt, sie werden sich gemeinsam auf die Reise machen, auf dieselbe, welche sie jung verliebt unternommen haben. Sie reisen nicht per Anhalter, sondern im schönen Auto und mit Rollkoffern, sie sind gereift ja, aber ihre Körper finden sofort wieder zurück zur alten Vertrautheit und gutem Sex. Die Reise beginnt vielversprechend, mit Astrid kann er immer noch stundenlang reden, aber sie kann ihn auch immer noch auf die Palme bringen. Vieles ist gleich geblieben und doch ist es das nicht mehr. Orte der Erinnerung entpuppen sich als nicht mehr dieselben, und wenn sie ehrlich sind, dann sind auch sie beide natürlich nicht mehr dieselben, nicht mehr ganz auf jeden Fall. Schmid war einst der Eifersüchtige, jetzt wird ihm klar, dazu hat er keine Lust mehr, er will nicht kämpfen, Angst haben, gar bangen um seine Liebe, er will sie lieben, voll und ganz und mit einer gewissen Sicherheit. Ist Astrid die Frau, mit welcher er nun die Liebe leben wird, finden sie endlich den Weg miteinander oder ist die alte Geschichte auch die neue?

Patrick Tschan / Eine Reise später

Fazit: Versuche in Liebe
Der neue Roman von Patrick Tschan ist da, tatsächlich überrascht er alle erneut mit einem völlig anderen Buch, als es seine beiden Vorgänger waren. Dieses Mal mal handelt es sich in der Tat um eine Liebesgeschichte, oder ist es eine Geschichte über das Altern? Der Joint ist dem Liebespaar geblieben über die Jahrzehnte, auch sonst finden die Protagonisten sofort zu Vertrautem, die Erinnerung ihrer Lust, die scheint fest abgespeichert zu sein und abrufbar. Aber da sind eben auch Blessuren, die das Leben und ihre gemeinsame Geschichte ihnen beigefügt hat. Können sie gemeinsam weitergehen, finden sie endlich richtig zueinander?

Meine Wertung: 7/10

Patrick Tschan / Eine Reise später
Verlag: Braumüller, Seiten: 200

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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